Helsinki testet medizinische Drohnenlieferungen über sieben Kilometer – BVLOS-Pilotprojekt im Rahmen von CITYAM
Die finnische Hauptstadt Helsinki hat Ende Oktober 2025 erstmals regelmäßige BVLOS-Drohnenflüge zur Versorgung einer städtischen Gesundheitseinrichtung gestartet. Zwischen dem Stadtlager in Kyläsaari und der Gesundheitsstation Laajasalo fliegt eine Starrflügel-Drohne des norwegischen Betreibers Aviant werktags mehrmals täglich eine rund sieben Kilometer lange Strecke. Der Test wird unter Genehmigung der Verkehrs- und Kommunikationsbehörde Traficom und mit menschlicher Aufsicht durchgeführt – als Teil des EU-Projekts CITYAM, das urbane Luftmobilität und Drohnenintegration in Städten untersucht.
Medizinische Lieferkette aus der Luft
Ziel des Pilots ist es, die Logistik und Versorgungssicherheit für medizinisches Material zu testen – sowohl im Alltag als auch in Krisenfällen. Die Drohne transportiert Handschuhe, Masken und Desinfektionsmittel vom Lager des städtischen Baudienstes Stara zur Gesundheitsstation in Laajasalo. Laut Stadtverwaltung ist dies die erste Langstrecken-Regelverbindung dieser Art in Helsinki. Die Flüge laufen vom 29. Oktober bis 7. November 2025 (witterungsbedingt bis spätestens 14. November).
“This is the first time Helsinki has operated regular drone flights over such a long distance … we’ve already learned a great deal about organising the flights and the challenges that arise during preparations.” – Renske Martijnse-Hartikka, Senior Project Manager bei Forum Virium Helsinki.
Technische und operative Eckdaten
- Route: Kyläsaari → Laajasalo Gesundheitsstation (ca. 7 km)
- Flugzeitraum: 29.10.–07.11.2025 (werktags mehrmals täglich, ggf. bis 14.11.)
- Flughöhe: 60–100 Meter AGL
- Drohne: Starrflügler mit 2,6 m Spannweite und bis zu 3 kg Nutzlast
- Betreiber: Aviant (Norwegen) – Fernsteuerung aus Oslo + Bodenpersonal in Helsinki
- Genehmigung: BVLOS-Betrieb mit Traficom-Erlaubnis und permanenter menschlicher Aufsicht
- Projekt: EU-Förderung über Interreg Baltic Sea Region im Rahmen von CITYAM
Kooperation zwischen Stadt, Forschung und Betreiber
Träger des Projekts ist das städtische Innovationsunternehmen Forum Virium Helsinki, das gemeinsam mit Stara und dem Sozial-, Gesundheits- und Rettungsdienstbereich der Stadt agiert. Die Flüge werden von Aviant technisch umgesetzt – das Unternehmen betreibt ähnliche Langstrecken-Dienste in Norwegen und Schweden. Der Helsinki-Pilot gilt als praktischer Feldversuch zur Integration von Drohnen in bestehende kommunale Lieferketten.
“Drones represent a new mode of transport with plenty of potential. In dense, busy cities, aerial transport can make deliveries smoother and improve the city’s overall functioning.” – Sami Aherva, Leiter der Logistik bei Stara.
“The pilot will provide us with guidelines for developing goods logistics and for preparing for possible disruptions and exceptional situations.” – Ari Lallo, Transport and Logistics Manager, Sozial- und Gesundheitsdienste Helsinki.
Über Aviant
Aviant AS ist ein norwegisches Drohnenunternehmen, das Anfang 2020 von Lars Erik Fagernæs und Herman Øie Kolden gegründet wurde, nachdem sie sich am MIT kennengelernt hatten. Das Team hat sich auf autonome Logistiklösungen spezialisiert – insbesondere auf den Transport von medizinischen Gütern über lange Distanzen und unter schwierigen Wetterbedingungen.
Bekannt wurde Aviant durch seine 120 km-Mission zwischen Trondheim und Røros, die als längster autonomer Flug über Land in Norwegen gilt. Seitdem betreibt das Unternehmen kommerzielle Drohnenrouten in Skandinavien für den Transport von Blut-, Covid- und Milchproben und entwickelt den On-Demand-Service Kyte für Haustürlieferungen per Drohne.
Das Unternehmen hat mehr als 1.500 Flüge über 25.000 km absolviert, wird durch Luminar Ventures und Bring Ventures finanziell unterstützt und ist Partner in mehreren europäischen Innovationsprojekten, darunter CITYAM in Helsinki. Ziel ist es, eine skalierbare, sichere und klimafreundliche Luftlogistik für Gesundheits- und Alltagsgüter zu etablieren.
Die Fotos zeigen die feste Flügel-Drohne des Typs Aviant Kyte, die für autonome Logistik- und Lieferflüge eingesetzt wird. Das Fluggerät trägt eine hellblau-weiße Lackierung mit dem Kyte-Logo und kombiniert Tragflächen mit vertikalen Rotoren, wodurch es senkrecht starten und landen kann (VTOL-Design).
In verschiedenen Szenen fliegt die Drohne über bewaldete Landschaften, Gebirgskämme und Gewässer in Skandinavien. Zu sehen sind sowohl der Übergang vom Horizontal- zum Schwebeflug als auch die präzise Absetzphase, bei der ein kleiner Karton per Seil abgesenkt wird. Der Karton trägt ebenfalls das Kyte-Logo und wird auf Waldboden oder von Personen in Empfang genommen. Die Aufnahmen illustrieren den kompletten Ablauf einer autonomen Lieferung – vom Start über den Transport bis zur Übergabe an den Empfänger – und betonen die Eignung des Systems für schwer zugängliche Regionen.
Bildquellen: www.aviant.no
Rahmenprojekt CITYAM und EU-Bedeutung
Der Pilot ist Teil des EU-geförderten Programms CITYAM (Cities Integrating Advanced Air Mobility), das in sechs Metropolregionen Nord- und Mitteleuropas stattfindet. CITYAM untersucht, wie Städte Luftraum-Nutzung, Genehmigungsprozesse und Bürgerbeteiligung beim Einsatz urbaner Drohnen effizient gestalten können. Helsinki fungiert als Modellstandort für BVLOS-Logistik in dicht besiedelten Zonen. Die Erfahrungen aus der Pilotstrecke Kyläsaari–Laajasalo sollen künftige Standardverfahren für medizinische Drohnenlieferungen in europäischen Städten prägen.
Technische Perspektiven und nächste Schritte
Nach Projektende im November 2025 sollen die gewonnenen Erkenntnisse in die UAM-Strategie der Stadt Helsinki einfließen. Geplant ist die Auswertung der Flug- und Wetterdaten, der Kommunikations- und Überwachungssysteme (Remote ID, ConOps) sowie eine Bewertung der Resilienz von medizinischen Lieferketten. Langfristig erwägt die Stadt, Proben- und Organtransporte per Drohne einzubeziehen. Parallel werden Erfahrungen aus früheren Tests – etwa AI-gestützte Verkehrsüberwachung und Dronetag-Tracking – in die operative U-Space-Planung übernommen.
Fazit
Mit dem CITYAM-Pilotprojekt markiert Helsinki einen wichtigen Meilenstein für die Integration von Drohnen in urbane Versorgungsnetze. Der erfolgreiche BVLOS-Betrieb über sieben Kilometer zeigt, dass medizinische Luftlieferungen auch in dicht bebauten Gebieten sicher und effizient durchführbar sind. Die Ergebnisse werden maßgeblich für künftige EU-Richtlinien und die praktische Umsetzung von Urban Air Mobility sein – und Helsinki einmal mehr als Vorreiter für smarte, nachhaltige Stadtlogistik positionieren.
Weitere Artikel zu Drohnenabwehr, Verteidigung und Technologiepolitik:
- Auterion Artemis Drone 2025 – 1.000 Meilen Deep-Strike-System mit KI-Navigation und 40-kg-Gefechtskopf
- Private Drohnenabwehr 2025 in Deutschland – Recht, Technik & Praxis
- Anti-Drohnen-Plan 2025/2026: Bundesregierung will Zuständigkeiten und Abwehrstrategie neu ordnen
- Quantum Systems „Jäger“ – Deutschlands neue Abfangdrohne mit Raketenantrieb und AI-Autonomie
- Bundeswehr beauftragt Tytan Technologies mit KI-Drohnenabwehr
- Readiness 2030: EDDI-EU-Drohnenabwehr, Air/Space Shield, Ostflanke – Europas Milliardenplan im Härtetest
- Rheinmetall beginnt Serienproduktion der HERO-Loitering-Munition in Italien
- China: Drohnen-Show in Liuyang endet in Feuer-Chaos – Hunderte UAVs stürzen brennend ab
- FP-5 „Flamingo“ im Einsatz: Ukrainischer Marschflugkörper mit 3.000 km Reichweite – Technik, Präzision & Analyse
- DroneShield knackt 4.000 Systeme: Neues 4Q25-KI-Update für Drohnenabwehr










