Nordische Staaten schließen Abkommen zur gemeinsamen Drohnenbeschaffung
Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark haben am 22. Oktober 2025 in Helsinki ein neues Abkommen zur gemeinsamen Beschaffung unbemannter Luftfahrtsysteme (UAS) unterzeichnet. Das sogenannte Technical Arrangement wurde von den Rüstungsdirektoren der vier Länder im Rahmen der nordischen Verteidigungskooperation (NORDEFCO) beschlossen und zielt darauf ab, die Drohnenfähigkeiten der beteiligten Nationen langfristig zu bündeln und zu stärken.
Das finnische Verteidigungsministerium erklärte in seiner Mitteilung: „Wir werden multinationale Operationen in der nordischen Region erleichtern, indem wir die Zusammenarbeit im Bereich unbemannter Luftfahrtsysteme ausbauen“, so Verteidigungsminister Antti Häkkänen. Weiter betonte er: „Da sich die Technologie weiterentwickelt und regelmäßige Modernisierungen erforderlich sind, gibt es allen Grund für eine vertiefte nordische Kooperation in diesem Bereich. Wachsende gemeinsame Beschaffungsvolumina ermöglichen es der Industrie zudem, ihre Produktionskapazitäten zu erhöhen und nationale Beschaffungskosten zu senken.“

Die Vereinbarung wurde als technische Regelung auf Verwaltungsebene unterzeichnet und basiert auf dem bestehenden NORDEFCO Memorandum of Understanding aus dem Jahr 2009. Neben der Beschaffung umfasst die Kooperation auch Forschung und Entwicklung, Standardisierung, Ausbildung und den Austausch von Fachwissen zwischen den Verteidigungsministerien.
Laut Norwegens Verteidigungsminister Tore O. Sandvik ist die Initiative „ein wichtiger nordischer Schritt zur Stärkung der Sicherheit der Region und verbündeter Gebiete“. Er betonte: „Alle nordischen Länder teilen gemeinsame Interessen in der Drohnenentwicklung, was eine Kooperation in einem nordischen Rahmen natürlich macht.“ Das Abkommen decke Bereiche wie Forschung und Entwicklung, Standardisierung, Training und Unterstützung für die Ukraine ab.
Geplant sind laut den Dokumenten mehrere separate Beschaffungsprogramme: eine gemeinsame Nordic Micro-Drohnen-Beschaffung im Rahmen der NATO Support and Procurement Agency (NSPA) sowie eine Mini-Drohnen-Beschaffung unter den bestehenden Rahmenvereinbarungen des dänischen Verteidigungsministeriums. Zusätzlich sieht Norwegen in seinem Langfristigen Verteidigungsplan Investitionen in maritime Langstreckenaufklärungsdrohnen, taktische Drohnen für das Aufklärungsregiment und Drohnen für die Heimwehr vor.
Das gemeinsame Vorgehen soll nicht nur die operative Verteidigungsfähigkeit der nordischen Staaten erhöhen, sondern auch die industrielle Basis in Skandinavien stärken. Durch die Bündelung von Forschung, Beschaffung und Ausbildung sollen Synergien entstehen, die Innovation fördern und die Abhängigkeit von externen Zulieferern verringern. Laut dem finnischen Verteidigungsministerium sei die Kooperation ein „Beispiel für pragmatische Verteidigungsintegration“, die auf Effizienz und Interoperabilität innerhalb der NATO-Strukturen ausgerichtet ist.
Die Initiative fällt in eine Phase verstärkter militärischer Abstimmung in Nordeuropa. Erst kürzlich eröffnete die NATO ihr drittes Combined Air Operations Centre (CAOC) im norwegischen Bodø, um die Luftraumüberwachung über dem Nordatlantik und der Arktis auszuweiten. Das nordische Drohnenabkommen ist damit Teil einer größeren Strategie zur Stärkung der regionalen Verteidigungsarchitektur – insbesondere mit Blick auf mögliche hybride Bedrohungen und die fortgesetzte Unterstützung der Ukraine.
Fazit
Mit der Unterzeichnung des Abkommens in Helsinki setzen Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark ein deutliches Zeichen für strategische Eigenständigkeit und technologische Zusammenarbeit. Das Projekt verbindet operative Kooperation mit industrieller Kapazitätsentwicklung und gilt als weiterer Schritt zur Integration nordischer Verteidigungsstrukturen unter dem Dach von NORDEFCO und der NATO.
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