Die AUVSI Defense 2025 tagte unter dem Eindruck von Haushaltsstreit, Government Shutdown und geopolitischen Schockwellen. Präsident und CEO Michael Robbins stellte in seiner Eröffnungsrede heraus, wie krisenfest und systemrelevant die Branche inzwischen geworden ist: Während Regierungsapparate teils stillstehen, laufen Militär und Industrie weiter – denn Bedrohungen machen keine Pause, nur weil in Washington gestritten wird.
Industrie und Regierung im Umbruch: „Wir bauen weiter, wenn der Staat stillsteht“
Robbins betont die Unabhängigkeit der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie vom politischen Tagesgeschäft. US-Streitkräfte, Beschaffung und Forschung laufen durch – und die Branche liefert, was Soldat:innen an der Front brauchen. Gleichzeitig unterstreicht er: AUVSI versteht sich als Lobby- und Forschungsorganisation mit starker politischer Stimme. Es geht um Industrie-Zertifizierungen (Cybersecurity, Training), intensive Arbeit mit Pentagon, Streitkräften und Gesetzgeber, aber auch um neue Partnerschaften mit Anbietern wie Altana für resiliente Lieferketten.
Die AUVSI hat ihre Anstrengungen im Bereich Lieferketten-Resilienz und Zertifizierung ausgebaut, u.a. mit den Programmen Green UAS und Blue UAS Recognized Assessor. Ziel: Stärkung der US-Industriebasis und effektives Risikomanagement angesichts globaler Engpässe. In Washington wachsen Budget und Einfluss: Noch 2022 nur 4 Sponsoren, 2025 bereits 22 – ein Zeichen der wachsenden Relevanz des Sektors.
Transformation durch Milliarden: Neue Budgets, neue Erwartungen
Robbins spricht von einer „transformativen Ära für Autonomie“: Präsidentielle Erlasse zur Modernisierung von Beschaffung, Rüstungsexporten und dem „Unleashing American Drone Dominance“ werden durch konkrete Maßnahmen untermauert. Mit über 13 Milliarden US-Dollar im aktuellen Budgetpaket sind massive Investitionen in Drohnenprogramme, USV/UUV, KI‑Schiffbau und elektronische Kriegführung beschlossen. Für den Sektor ist das ein echter „Demand Signal“ – das lang erwartete Startsignal für Serienfertigung und Skalierung.
Das Problem, so Robbins: Die eigentliche Herausforderung beginnt jetzt. Denn die Milliarden aus der Budgetvereinbarung („reconciliation bill“) liegen außerhalb des klassischen Haushaltsprozesses, was neue Unsicherheiten und Aufwand für Industrie und Behörden bedeutet. AUVSI fordert einen klaren Umsetzungsplan, damit das Geld auch in marktreife Produkte und Innovationen fließt – nicht in Bürokratie und „Bottlenecks“.
Wettlauf mit China, Koalitionen mit Partnern
Ein Fokus liegt auf internationaler Zusammenarbeit: Die USA bauen Drohnen‑, Technologie- und Produktionsallianzen mit Taiwan, Japan, Südkorea, Indien, Australien und europäischen Partnern wie Deutschland und Großbritannien aus. Hintergrund: Die Abhängigkeit der Ukraine von chinesischen Drohnenkomponenten wird als existenzieller „Chokepoint“ gewertet. Robbins warnt: Die USA und Verbündete müssen jetzt eigene Produktions- und Lieferkapazitäten schaffen, um nicht in die gleiche Falle zu geraten.
Die Bedeutung kollektiver Abschreckung wird betont: Wer gemeinsam entwickelt und produziert, zwingt Gegenspieler dazu, gegen ein Netzwerk – nicht nur einzelne Staaten – zu planen. Die reale Lehre aus der Ukraine: Drohnen sind die tödlichste Waffe, können Gelände verwehren, Nachschub unterbinden und Logistikströme zerstören. Aber: Massive Abhängigkeit von Zulieferern aus China offenbart strategische Schwächen.
AUVSI Defense 2025: Schlüsselplattform für autonome Verteidigungssysteme
AUVSI Defense 2025 findet am 28. und 29. Oktober 2025 in Washington, D.C. statt und ist das führende, geschlossene Forum für den Austausch zu Verteidigungsautonomie in den USA. Im Fokus stehen die Beschleunigung vertrauenswürdiger, einsatzbereiter Technologien sowie die Stärkung der heimischen Industrie und Lieferketten.
Das Event bringt hochrangige Führungskräfte aus dem US-Verteidigungsministerium, anderen US-Behörden, verbündeten Regierungen sowie der Industrie und dem Tech-Sektor zusammen. Ziel ist es, strategische Allianzen zu schmieden, den Technologietransfer „vom Prototyp zum Programm“ zu forcieren und die Zusammenarbeit im Bereich autonomer Systeme über alle Domänen hinweg zu intensivieren.
Diskussionsschwerpunkte sind unter anderem:
- Skalierung vertrauenswürdiger autonomer Systeme und operative Autonomie für einsatzkritische Missionen
- Interoperabilität über verschiedene Einsatzgebiete (Luft, Land, See, Cyber)
- Resilienz der industriellen Basis und Wachstum der amerikanischen Autonomiebranche
- Effizienter Technologietransfer und schnelle Markteinführung neuer Lösungen trotz knapper Ressourcen
Die Veranstaltung steht für die Überzeugung, dass „Defense Modernization Collaboration“ erfordert – also die Zusammenarbeit von Regierung, Industrie und Technologieanbietern, um disruptive Innovationen in die Praxis zu bringen.
SkyFoundry: Kontroverse um staatliche Drohnenproduktion
Das US-Army-Pilotprogramm SkyFoundry steht im Zentrum einer grundsätzlichen Branchendebatte: Ziel des 2026 anlaufenden Programms ist der Aufbau einer staatlichen Fertigungs- und Entwicklungsinfrastruktur, die künftig monatlich bis zu 10.000 Small UAS (sUAS) und perspektivisch bis zu eine Million Einheiten jährlich liefern soll. Organisatorisch ist SkyFoundry im Army Materiel Command angesiedelt, als Standorte gelten u. a. das Red River Army Depot in Texas. Die Produktion soll eng mit Truppenfeedback verzahnt und iterativ ausgerichtet werden – ein Ansatz, der schnelle Feldtests und unmittelbare Anpassung verspricht.
Hintergrund der Initiative sind die Erfahrungen aus der Ukraine: Dort zeigte sich, dass kostengünstige, massenhaft einsetzbare Drohnen ein Schlüsselfaktor für moderne Konfliktführung sind. Die Army will die Abhängigkeit von ausländischen Komponenten minimieren und zugleich sicherstellen, dass große Stückzahlen schnell einsatzbereit werden. Politisch wird dies durch Gesetzesinitiativen wie den „SkyFoundry Act 2025“ sowie neue Pentagon-Direktiven flankiert.
Robbins, CEO von AUVSI, bezieht dazu klar Stellung: Laut seiner Analyse liegt der Flaschenhals nicht bei der Produktionskapazität, sondern bei der fehlenden, langfristigen und verlässlichen Nachfragesicherheit („Demand Signal“) aus der Regierung. Die Zahlen unterstreichen das Dilemma: Zwischen 2022 und Anfang 2025 vergaben US-Behörden lediglich 144 Millionen US-Dollar an Group-1-UAS-Aufträgen, und selbst im Rekordjahr 2024 wurden weniger als 4.000 Einheiten über mehr als 20 verschiedene Modelle hinweg beschafft. Robbins sieht die Lösung nicht in einer zentralen Staatsfabrik, sondern in wiederkehrenden Portfolio-Beschaffungen, „smarten“ Verträgen und klaren, planbaren Auftragsvolumen, um privatwirtschaftliche Investitionen nachhaltig zu hebeln.
SkyFoundry verfolgt ehrgeizige Ziele – Kritiker verweisen jedoch auf gravierende Hürden: Mikroelektronik, Motoren, Maschinenpark, Arbeitskräfte und logistische Herausforderungen könnten die Produktion ausbremsen. Zudem stellt sich die Frage, wie Innovation und industrielle Flexibilität gewährleistet werden, wenn Hardware zentral produziert, aber Software- und Payload-Innovationen weiterhin privatwirtschaftlich vorangetrieben werden.
Pro-SkyFoundry-Argumente fokussieren auf die Fähigkeit, im nationalen Krisenfall Produktionskapazität „auf Knopfdruck“ bereitzustellen und die Lücke bei sicherheitskritischen Bauteilen oder Stückzahlen zu schließen. Die Nähe zur Truppe und direkte Iteration werden als Vorteil für Taktik-Anpassung und Feldreife gesehen. Politische Unterstützung kommt durch Kongressinitiativen und gezielte Mittelzuweisungen im Pentagon-Budget. Die Gegenseite – angeführt von Robbins und großen Teilen der Industrie – betont, dass Kapazitäten längst bestehen: Der Privatsektor hat, teils ohne gesicherte Großaufträge, mehr als 23.000 Quadratmeter Produktionsfläche aufgebaut. Effizienz, Wettbewerbsdruck und die Vielfalt unterschiedlicher Plattformen sprechen für ein Portfolio-Modell mit tranche-basierten, regelmäßigen Aufträgen, in denen Wettbewerb, Innovationskraft und Flexibilität erhalten bleiben. „Der Engpass ist nicht die Fabrik, sondern der Auftragsfluss“, fasst Robbins zusammen.
Als größte Risiken werden genannt: Skalierungsengpässe bei Zulieferketten (z. B. Mikroelektronik), hohe Fixkosten einer zentralen Staatsfabrik, Governance-Probleme bei IP und Upgrades, und die Gefahr, privatwirtschaftliche Investitionen zu verdrängen. Die Zukunftsfähigkeit des US-Drohnenmarkts hängt aus Branchensicht an verlässlichen, offenen Beschaffungswegen – nicht an einer zentralisierten „Planwirtschaft“. Im Ergebnis gilt: Kurzfristig kann SkyFoundry Produktionsengpässe und sicherheitspolitische Abhängigkeiten adressieren. Langfristig bleibt jedoch die Notwendigkeit, Vielfalt, Innovationsdruck und Tempo durch Wettbewerbsmodelle und smarte Portfolio-Beschaffung zu sichern. Der Streit um SkyFoundry wird damit zur Grundsatzfrage: Setzt die US-Drohnenindustrie auf zentralisierte Staatskapazität oder wettbewerbsorientierte, skalierbare Partnerschaften?
Die aktuelle Branchendynamik macht klar: Verlässliche, planbare Nachfrage und Portfolio-Beschaffung sind laut Robbins das effektivste Instrument, um Innovation, Produktionsvolumen und Resilienz nachhaltig zu stärken. Neue Initiativen wie SkyFoundry müssen sich daran messen lassen, ob sie tatsächlich Beschleunigung, Vielfalt und Effizienz fördern – oder im Zweifel teure Parallelstrukturen schaffen und privatwirtschaftliche Dynamik bremsen.
Die Association for Uncrewed Vehicle Systems International (AUVSI) ist mit mehr als 7.000 Mitgliedern aus Industrie, Behörden und Forschung der weltweit größte Fachverband für unbemannte Systeme – von Drohnen über autonome Fahrzeuge bis zu Robotik für Luft, Land und See. Als Lobbyorganisation mit Hauptsitz in Arlington (Virginia) ist AUVSI strategisch aufgestellt, um die Weichen für Regulierung, Innovation und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stellen. Kernthemen 2025 sind die Beschleunigung regulatorischer Prozesse für BVLOS (Beyond Visual Line of Sight), die Reform von Counter-UAS-Befugnissen sowie der Aufbau „vertrauenswürdiger“, PRC-unabhängiger Lieferketten durch Programme wie Green/Blue UAS.
AUVSI sieht sich als Agenda-Setter und Mittler zwischen Politik, Militär und Privatwirtschaft. Das jüngste Strategiepapier fokussiert auf vier Felder: Advocacy (gesetzgeberische Einflussnahme), Education (Aufklärung/Events), Business Intelligence (Marktdaten, Standards, Zertifizierungen) und Community (Vernetzung, Policy-Foren). Große Ziele: Eine skalierbare UAS-Industrie, belastbare regulatorische Rahmenbedingungen für BVLOS und Counter-UAS, und ein robuster Marktzugang jenseits chinesischer Zulieferer.
Die Rolle als Innovationsmotor und Policy-Multiplikator ist unbestritten: AUVSI kuratiert die zentralen US-Events („AUVSI Defense“, „XPONENTIAL“), bietet Unternehmen Marktzugang, politische Vernetzung und Zertifizierungspfade – u. a. für Green/Blue UAS und NDAA-konforme Lieferketten. Der Verband ist maßgeblich am aktuellen BVLOS- und Counter-UAS-Regelsetzungsprozess beteiligt und setzt mit Partnern wie Altana auf KI-basierte Supply-Chain-Screenings, um Cybersicherheit und Resilienz zu erhöhen.
Kritik und Debatte: Die starke Nähe zur Industrie bringt auch Kontroversen: Analysten und KMU warnen, dass Zertifizierungsökosysteme und Compliance-Pflichten wie im Green/Blue-UAS-Programm nicht zu Markteintrittshürden oder zur Konzentration auf Großanbieter führen dürfen. Die Part-108-Debatte um die Zertifizierung von Betreibern (statt Piloten) und die Anforderungen an kleine Firmen sowie Public-Safety-Teams bleibt offen – hier drohen laut Community „one-size-fits-all“-Regeln und Wettbewerbsverzerrung. Zudem gibt es Stimmen, die eine stärkere Unabhängigkeit vom Großkonzern-Lobbying, eine konsequentere Vertretung kleinerer Player und mehr politische Unabhängigkeit fordern.
AUVSI begegnet der Kritik mit eigenen Advocacy-Formaten, gezielter Mitgliederbeteiligung, Stakeholder-Events und einer proaktiven Strategiekommunikation. Ob der Verband den Spagat zwischen Innovationsdynamik, Governance und echter Marktvielfalt meistert, bleibt auch 2026 ein politisch und wirtschaftlich brisantes Thema.
Fazit & Ausblick: „Jetzt wird gebaut – für die Autonomie von morgen“
AUVSI sieht sich als Taktgeber für die nächste Phase: Von der Vision zu Umsetzung und Wirkung. Durch Lobbyarbeit, Standardsetzung, Forschung und Vernetzung sollen US‑ und Partnerindustrien gemeinsam die „uncrewed arsenal for democracy“ bauen – die unbemannte Waffenbasis für eine neue Epoche der kollektiven Sicherheit. Die Branche sieht sich als Rückgrat der westlichen Verteidigung, getrieben von einer beispiellosen Kombination aus Technologie, politischem Willen und industrieller Mobilisierung.
Robbins schließt mit einem Verweis auf Sun Tzu: „Inmitten von Chaos liegt immer auch eine Chance.“ AUVSI will diese nutzen – und ruft die Branche auf, jetzt an einem Strang zu ziehen, um Technologie und industrielle Basis für die unbemannte Zukunft zu schaffen. Der Appell ist deutlich: „Es gibt keinen Plan B – wir müssen liefern, was die Mission verlangt.“
Weitere Einzelheiten zur Rede finden sich bei Association for Uncrewed Vehicle Systems International (AUVSI) unter: AUVSI – Keynote Remarks von Michael Robbins (AUVSI Defense 2025)
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