Fincantieri präsentiert erstes integriertes Unterwasser-Drohnen-System
Der italienische Schiffbaukonzern Fincantieri hat ein neuartiges integriertes Unterwasser-Drohnen-System vorgestellt, das einen entscheidenden Schritt in Richtung vernetzter, autonomer Seekriegsführung markiert. Das System kombiniert mehrere unbemannte Plattformen – von Autonomous Underwater Vehicles (AUVs) bis hin zu Remotely Operated Vehicles (ROVs) – und ermöglicht die koordinierten Missionen für Aufklärung, Minenabwehr und Unterwasserüberwachung. Damit erschließt Fincantieri ein hochstrategisches Zukunftsfeld im Bereich maritimer Verteidigungs- und Sicherheitsoperationen.
Das neue System basiert auf einer vollständig modularen Plattformstruktur, die es erlaubt, unterschiedliche Sensorkonfigurationen, Sonar-Arrays und Kommunikationsmodule zu integrieren. Im Kern steht eine gemeinsame Missionssteuerung, welche sowohl über Satellit als auch über akustische Kommunikation die Kontrolle mehrerer Drohnen unter Wasser und an der Oberfläche ermöglicht. Ziel ist die Schaffung eines digital vernetzten Unterwassernetzwerks, das in Echtzeit Daten zu Lagebildern, Objekterkennung und taktischen Entscheidungen bereitstellt.

Fincantieri betont, dass das System nicht nur militärische, sondern auch zivile Anwendungen abdeckt: etwa die Überwachung kritischer Infrastrukturen, Pipelines und Offshore-Anlagen. Damit positioniert sich das Unternehmen als einer der ersten europäischen Anbieter, der Drohnen, Künstliche Intelligenz und Marineinfrastruktur in einer End-to-End-Lösung vereint.
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Hintergrund: Fincantieri-Defcomm-Partnerschaft für autonome Marineplattformen
Am 20. Oktober 2025 unterzeichnete der italienische Schiffbaukonzern Fincantieri eine strategische Vereinbarung mit dem Start-up Defcomm, um die Entwicklung autonomer Überwasser-Drohnen und Surface Units für Sicherheits- und Überwachungsmissionen voranzutreiben. Das Ziel: die Integration unbemannter Systeme direkt in zukünftige Marineeinheiten und die Stärkung der technologischen Souveränität Italiens im Bereich maritimer Robotik.
Die Kooperation sieht ein gemeinsames Co-Investment vor, um die Serienfertigung der bereits getesteten Defcomm-Drohnen zu beschleunigen. Diese Systeme zeichnen sich durch hohe Geschwindigkeit, variable Steuerungsmodi (autonom, ferngesteuert oder manuell) und eine robuste, für Langzeiteinsätze optimierte Architektur aus. Einsatzbereiche sind u.a. Überwachung, Aufklärung, Patrouille sowie maritime Grenzsicherung.
Fincantieri will die daraus entstehenden Deploymentsysteme künftig direkt auf Marineeinheiten integrieren – sowohl für nationale als auch internationale Kunden. Gleichzeitig dient die Kooperation als Basis für Trainings- und Testprogramme, bei denen die Interoperabilität der autonomen Einheiten in komplexen, realitätsnahen Szenarien demonstriert wird.
Konzernchef Pierroberto Folgiero bezeichnete das Abkommen als „Bestätigung der Rolle Fincantieris als Innovationsmotor des italienischen Schiffbaus“ und betonte die strategische Bedeutung der Zusammenarbeit mit Start-ups und KMUs:
„Durch solche Partnerschaften fördern wir das technologische Ökosystem, beschleunigen die industrielle Transformation des Landes und sichern Italiens technologische Autonomie im globalen Wettbewerb.“
Defcomm-Gründer Federico Zarghetta, ein Pionier der maritimen Automatisierung und Satellitenkommunikation, erklärte, dass diese Kooperation die Vision verwirkliche, Italien zur führenden Nation im Bereich Hochleistungs-Überwasser-Drohnen zu machen.
„Gemeinsam mit Fincantieri bündeln wir unsere Stärken, um den weltweiten Wettbewerb in diesem neuen maritimen Technologiefeld anzuführen.“
Fincantieri bleibt damit einer der wenigen europäischen Konzerne, der sowohl Unterwasser- als auch Überwasser-Drohnen entwickelt und die gesamte industrielle Wertschöpfung – von der Konstruktion über Sensorik und KI bis zur Integration in Flotten – abdeckt. Mit über 230 Jahren Geschichte und einer globalen Belegschaft von 23.000 Mitarbeitenden gilt Fincantieri als Leitunternehmen im Bereich dual-use maritimer Innovation.
Die Vereinbarung mit Defcomm unterstreicht den strategischen Fokus auf Nachhaltigkeit, digitale Transformation und Verteidigungstechnologien. Durch die Entwicklung modularer Drohnenplattformen will Fincantieri künftig auch die Vernetzung zwischen Über- und Unterwasseroperationen fördern – ein entscheidender Schritt für Europas maritime Resilienz.
Mit der Vorstellung des Systems reagiert Fincantieri auf die zunehmende geopolitische Bedeutung der maritimen Sicherheit. Angesichts wachsender Spannungen im Mittelmeerraum und in der Ostsee gewinnt die Fähigkeit, unterseeische Aktivitäten frühzeitig zu erkennen, strategisch enorm an Gewicht. Die Integration von AUVs in die bestehende Flottenarchitektur soll die operative Reaktionsfähigkeit der Marine erheblich verbessern und gleichzeitig die Risiken für Personal minimieren.
Parallel arbeitet Fincantieri mit europäischen Partnern an der Standardisierung der Kommunikation zwischen unbemannten maritimen Systemen, um Interoperabilität zwischen NATO-Mitgliedern sicherzustellen. Die Entwicklung ist Teil eines größeren Programms, das auch Initiativen der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA) und des Permanent Structured Cooperation (PESCO)-Rahmens tangiert.
Das Projekt entstand in enger Zusammenarbeit mit Leonardo und Calzoni – zwei der wichtigsten italienischen High-Tech-Unternehmen im Verteidigungssektor. Während Leonardo für Sensorfusion, Datenanalyse und Steuerungselektronik verantwortlich ist, liefert Calzoni die hydrodynamischen Komponenten und Druckkörpertechnologie. Die Steuerungssoftware wird über ein eigenes Mission Management System realisiert, das kompatibel mit bestehenden Kommandozentralen der Marine ist.
Laut Unternehmensangaben wurde das Projekt auf Basis jahrelanger Forschung im Bereich Maritime Robotics entwickelt. Erste Erprobungen fanden in Ligurien statt, wo Fincantieri eine dedizierte Testumgebung für unbemannte Systeme aufgebaut hat. Das Ziel ist es, die operative Einsatzreife bis 2026 zu erreichen.
Fincantieris System stößt in eine Lücke, die bisher vor allem von US-amerikanischen und britischen Anbietern wie General Dynamics oder BAE Systems besetzt war. Europa holt damit technologisch auf und zeigt, dass auch auf dem Gebiet autonomer Unterwasserplattformen eigenständige Kompetenzen entstehen. Analysten sehen darin eine Antwort auf die wachsende Unterwasseraktivität russischer und chinesischer Akteure im Nordatlantik und Mittelmeer. Insbesondere der Schutz von Unterseekabeln, Pipelines und Hafeninfrastruktur rückt stärker in den Fokus der Verteidigungsplanung.
Das neue Unterwasser-Drohnen-System wird künftig eine Schlüsselrolle in der Integration von Surface- und Subsurface-Operations spielen. Neben der Verteidigung sollen die Systeme auch bei Umweltüberwachung, Tiefseeforschung und Katastrophenhilfe eingesetzt werden. Fincantieri verfolgt damit eine Dual-Use-Strategie, die sowohl militärische als auch kommerzielle Kunden adressiert.
Das Unternehmen kündigte an, seine Produktionskapazitäten für maritime Robotik in den kommenden zwei Jahren deutlich auszubauen und parallel an einem autonomen Dock-System für Unterwasserfahrzeuge zu arbeiten, das an den Ansatz des DJI Dock 3 erinnert. Ziel ist ein permanenter 24/7-Einsatz autonomer Systeme in strategischen Meeresgebieten.
Fazit
Mit dem Start des integrierten Unterwasser-Drohnen-Systems setzt Fincantieri einen Meilenstein für die europäische maritime Autonomie. Das Projekt zeigt, dass High-Tech-Schiffbau und Robotik zunehmend verschmelzen – mit dem Ziel, die Sicherheit, Überwachung und Nachhaltigkeit der Meere neu zu definieren. Fincantieri etabliert sich damit als Vorreiter in der Entwicklung autonomer Unterwasser-Ökosysteme, die weit über den klassischen Schiffbau hinausgehen.
At the Naval Support and Experimentation Center of La Spezia, we launched our first “DEEP” underwater drone system during a demonstration mission. The event was attended by the Undersecretary of State at the Ministry of Defense, Hon. Matteo Perego di Cremnago and our CEO,… pic.twitter.com/etdwOlXoBl
— Fincantieri (@Fincantieri) October 24, 2025
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