Sonnenfinsternis ohne Brille sehen: Lochkamera & Alternativen selber bauen
Heute Abend schiebt sich der Mond vor die Sonne – und Millionen Menschen in Deutschland stehen ohne Schutzbrille da. Die Suchanfragen sprechen eine deutliche Sprache: „Lochkamera Sonnenfinsternis basteln“ gehört am 12. August 2026 zu den am stärksten steigenden Suchbegriffen in Deutschland. Die gute Nachricht: Es gibt eine Methode, die das Bundesamt für Strahlenschutz als sicherste Methode zur Sonnenbeobachtung bezeichnet – und du baust sie in wenigen Minuten aus Dingen, die in jedem Haushalt liegen.
Direkt zur Bauanleitung Diese „Alternativen“ sind gefährlich
Die schlechte Nachricht steht gleich daneben in denselben Suchtrends: „Schweißerbrille für Sonnenfinsternis“, „Rettungsdecke Sonnenfinsternis“, „Sonnenfinsternis mit Sonnenbrille anschauen“ – alle drei mit dreistelligen bis vierstelligen Zuwachsraten. Und alle drei stehen auf der Warnliste des Bundesamts für Strahlenschutz. Dieser Artikel zeigt deshalb beides: die Projektionsmethoden, die wirklich funktionieren – und eine belegte Sicherheitsbewertung der Behelfslösungen, die gerade kursieren.
Das Wichtigste zuerst: Niemals direkt in die Sonne schauen
Alle Methoden in diesem Artikel sind Projektionsmethoden. Du schaust dabei nicht in die Sonne, sondern auf ein Abbild der Sonne. Eine Lochkamera ist kein Fernrohr – man hält sie nicht vor das Auge und blickt hindurch. Das Bundesamt für Strahlenschutz weist ausdrücklich darauf hin, dass die Lochkamera nicht direkt in Richtung Sonne gehalten wird; es genügt, sie grob in die Richtung des Ereignisses zu positionieren.
Andreas Quirrenbach, Leiter der Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl, formuliert die Grundregel im SWR-Interview so: „Gucken Sie nie ohne eine Schutzbrille in die Sonne – auch nicht mit einer Sonnenbrille. Das kann gefährlich für die Augen sein.“
Ohne Brille beobachten – die Kurzfassung
- Sicherste Methode: die indirekte Projektion mit einer Lochkamera (Camera obscura). Das Bundesamt für Strahlenschutz nennt sie die sicherste Methode zur Sonnenbeobachtung – weil man dabei gar nicht erst in Richtung Sonne blickt.
- Material: ein größerer Karton, Butterbrot- oder Transparentpapier, Alufolie, eine Reißzwecke oder Nadel. Bauzeit je nach Variante 2 bis 20 Minuten.
- Für Kinder besonders geeignet: Das BfS empfiehlt die Lochkamera ausdrücklich für Kinder – und rät zu einem möglichst großen Karton.
- Ohne Basteln geht es auch: ein Küchensieb, ein Strohhut oder der Schatten eines Laubbaums projizieren Dutzende Sonnensicheln auf eine helle Fläche.
- Gefährlich und ungeeignet sind laut Bundesamt für Strahlenschutz: schwarze Filmstreifen, mit Kerzenruß geschwärzte Gläser, gefaltete Rettungsdecken, Sonnenbrillen, Schweißerbrillen, Gletscherbrillen, Röntgenbilder und CDs.
- Auch Kamera und Fernglas sind ein Risiko: Sie bündeln die Sonnenstrahlen zusätzlich und gelten ohne geprüften Filter als hochgefährlich.
- Zeitfenster in Deutschland: etwa 19:11 bis 21:03 Uhr, Maximum je nach Ort zwischen 20:05 und 20:18 Uhr.
- Sonnenfinsternis-Brille kaufen: dm, Rossmann & Optiker
- Sonnenfinsternis 2026: Uhrzeit, Verlauf & Sichtbedingungen
- DIN EN ISO 12312-2: Norm für Sonnenfinsternisbrillen erklärt
Inhaltsverzeichnis
- Wie die indirekte Beobachtung funktioniert
- Lochkamera bauen – drei Anleitungen
- Vier Methoden ganz ohne Basteln
- Fernglas und Teleskop – warum wir abraten
- Sicherheitsbewertung: Diese „Alternativen“ sind gefährlich
- Kamera, Smartphone und Drohne
- Mit Kindern beobachten
- Timing: Wann du bereit sein musst
- FAQ
- Fazit
- Quellen
Wie die indirekte Beobachtung funktioniert – und warum sie so sicher ist
Das physikalische Prinzip hinter jeder Lochkamera ist über tausend Jahre alt und denkbar simpel: Fällt Licht durch ein kleines Loch in einen ansonsten dunklen Raum, entsteht auf der gegenüberliegenden Fläche ein Abbild der Lichtquelle. Genau deshalb heißt das Ganze Camera obscura, „dunkle Kammer“. Das Bundesamt für Strahlenschutz beschreibt das Prinzip so: Das Licht fällt durch ein kleines Loch auf der ansonsten geschlossenen Seite ein, und die Sonne wird auf der Projektionsfläche abgebildet – auf dem Kopf stehend und seitenverkehrt.
Für die Sonnenfinsternis bedeutet das: Auf deiner Projektionsfläche erscheint ein kleines, gut erkennbares Bild der Sonne. Schiebt sich der Mond davor, siehst du dort eine Sichel statt einer Scheibe. Genau diese Sichel beschreibt Astronom Andreas Quirrenbach für die heutige Finsternis über Deutschland: „Es bleibt immer ein Teil der Sonnenscheibe sichtbar. Dann sieht man eine Sichel.“
Warum die Projektion so sicher ist
Bei einer Schutzbrille hängt alles daran, dass die Filterfolie unbeschädigt und zertifiziert ist. Bei der Projektion entfällt diese Fehlerquelle. Das Bundesamt für Strahlenschutz formuliert es so: „Sie gilt als sicherste Methode zur Beobachtung, da man nicht direkt in die Sonne guckt.“
Du musst nicht auf die Sonne zielen
Ein weit verbreiteter Denkfehler. Laut BfS genügt es, das Gerät grob in die Richtung des Ereignisses zu positionieren. Zielen mit dem Auge ist ausdrücklich nicht nötig – oft reicht die Ausrichtung nach dem eigenen Schatten.
Das Bild steht auf dem Kopf
Kein Defekt, sondern Physik: Die Lichtstrahlen kreuzen sich im Loch. Das Bundesamt beschreibt das Abbild entsprechend als auf dem Kopf stehend und seitenverkehrt. Für die Beobachtung spielt das keine Rolle.
Größerer Karton, mehr Sicherheit
Das Bundesamt empfiehlt die Lochkamera besonders für Kinder – mit einem klaren Hinweis zur Größe: „Je größer der Karton, desto geringer ist das Risiko für Kinder, aus Versehen doch in die Sonne zu schauen.“
Der wichtigste Handgriff: die Lochgröße
Hier scheitern die meisten selbstgebauten Lochkameras – und hier lohnt eine Einordnung. Andreas Quirrenbach beschreibt den Bau mit einer Reißzwecke, mit der auf einer Seite des Kartons ein größeres Loch angebracht wird, während auf der Gegenseite das Butterbrotpapier sitzt. Für die Optik gilt dabei ein Zielkonflikt, den jeder beim Ausprobieren selbst merkt: Ein zu großes Loch erzeugt einen hellen, unscharfen Fleck ohne erkennbare Form. Ein zu kleines Loch macht das Bild scharf, aber sehr dunkel.
Praktisch heißt das: Fang mit einem Loch von etwa der Stärke einer Reißzwecke an und probiere die Kamera vorher aus. Ist der Fleck zu unscharf, stich ein neues, kleineres Loch in ein frisches Stück Alufolie. Wichtig ist außerdem ein sauberer, nicht ausgefranster Lochrand – deshalb sticht man in Alufolie und nicht direkt in Pappe.
Lochkamera bauen – drei Anleitungen von zwei Minuten bis Bastelnachmittag
Es gibt nicht die eine richtige Bauform. Welche Variante die beste ist, hängt vor allem davon ab, wie viel Zeit bleibt. Wenn die Finsternis in einer halben Stunde beginnt, nimm Variante 1. Hast du noch zwei Stunden und Kinder im Haus, lohnt sich Variante 3 deutlich mehr.
Variante 1: Die Zwei-Karten-Methode – fertig in zwei Minuten
Die minimalistische Lösung, wenn die Zeit drängt. Du brauchst nur zwei Stück Pappe oder festes Papier und etwas Spitzes. Diese Variante ist zugleich die sicherste, weil sie mit dem Rücken zur Sonne funktioniert – das Bundesamt für Strahlenschutz verweist für genau diese besonders einfache Bauform auf eine Anleitung der NASA.
1Loch stechen
Stich mit einer Nadel oder Reißzwecke ein einzelnes, sauberes Loch in die Mitte der ersten Pappe. Ausgefranste Ränder mit dem Fingernagel glätten.
2Mit dem Rücken zur Sonne stellen
Dreh der Sonne den Rücken zu. Halte die gelochte Pappe über die Schulter, sodass das Sonnenlicht hindurchfällt. Du schaust dabei nach vorn, von der Sonne weg.
3Zweite Pappe als Leinwand
Halte die zweite Pappe davor – oder nutze eine helle Hauswand oder ein weißes Handtuch. Der helle Punkt darauf ist das Bild der Sonne.
4Abstand variieren
Je weiter du die Pappen auseinanderziehst, desto größer und lichtschwächer wird das Bild. Ein bis zwei Meter sind ein guter Startwert für eine erkennbare Sichel.
Variante 2: Der Kartonprojektor – die Empfehlung der Landessternwarte
Diese Bauform empfiehlt Andreas Quirrenbach, Leiter der Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl, ausdrücklich für alle, die keine Schutzbrille mehr bekommen haben: „Wenn Sie keine Schutzbrille bekommen können, dann können Sie sich eine Lochkamera basteln.“ Dazu benötige man laut Quirrenbach einen größeren Karton und Butterbrotpapier. Mit einer Reißzwecke müsse auf der einen Seite ein größeres Loch in den Karton gemacht werden, auf der anderen Seite werde das Butterbrotpapier angebracht. Sein Fazit: „Damit können Sie die Sonne sicher projizieren.“
1Material zusammensuchen
Ein möglichst großer Karton, Butterbrot- oder Transparentpapier, ein Stück Alufolie, Klebeband, ein Cutter und eine Reißzwecke. Alles im Haushalt vorhanden.
2Zwei Öffnungen schneiden
Auf einer Schmalseite ein Fenster ausschneiden, auf der gegenüberliegenden Seite ein zweites. Je länger der Karton, desto größer wird das projizierte Sonnenbild.
3Alufolie und Papier anbringen
Das eine Fenster mit Alufolie überkleben und mit der Reißzwecke ein sauberes Loch hineinstechen. Das gegenüberliegende Fenster mit Butterbrotpapier bespannen – das ist die Mattscheibe.
4Ausrichten und ablesen
Karton so halten, dass das Licht durch das Loch fällt – ausrichten am eigenen Schatten, nicht durch Zielen mit dem Auge. Auf dem Butterbrotpapier erscheint die Sonne als kleine Sichel.
Zwei Tricks aus der Praxis
Innen abdunkeln: Wer den Karton innen mit schwarzem Tonpapier auslegt, bekommt ein kontrastreicheres Bild, weil weniger Streulicht von den hellen Kartonwänden reflektiert wird. Länger bauen: Zwei Kartons hintereinander geklebt vergrößern den Abstand zwischen Loch und Mattscheibe – und damit die projizierte Sonnensichel. Das deckt sich mit dem Hinweis des Bundesamts, dass ein größerer Karton ohnehin die sicherere Wahl ist.
Variante 3: Die Chipsdosen-Camera-obscura – zum Hineinschauen
Die schönste Bauform für Kinder, weil man tatsächlich in die Kamera hineinschaut und das Sonnenbild wie auf einem winzigen Schirm sieht. Man braucht eine leere Chips- oder Kaffeedose mit Deckel. Hier gilt allerdings eine besondere Vorsichtsregel, auf die das Bundesamt für Strahlenschutz eigens hinweist: Bei Lochkameras aus Chipsdosen könne es hilfreich sein, ein Tuch oder Kleidungsstück so über den Kopf zu legen, dass das zweite Auge ebenfalls abgedeckt ist.
1Dose vorbereiten
Eine leere Chipsdose gründlich säubern. Den Metallboden in der Mitte mit einer Nadel durchstechen – ein einzelnes Loch, sauber und klein.
2Mattscheibe einsetzen
Etwa ein Drittel der Dosenlänge vom Boden entfernt eine Scheibe aus Transparentpapier quer in die Dose einsetzen. Sie ist die Projektionsfläche.
3Guckloch schneiden
In den Plastikdeckel ein Guckloch schneiden und den Deckel aufsetzen. Durch dieses Loch schaust du später auf die Mattscheibe – nicht durch die Dose hindurch.
4Zweites Auge abdecken
Der Punkt, den das BfS eigens betont: Tuch oder Kleidungsstück über den Kopf legen, sodass auch das zweite Auge abgedeckt ist. Die zusätzliche Verdunklung macht die Projektion zugleich besser erkennbar.
Nicht durch die Dose in die Sonne blicken
Die Camera obscura ist ausschließlich für die indirekte Projektion gebaut. Auf die Frage, ob man durch sie direkt in die Sonne schauen dürfe, antwortet das Bundesamt für Strahlenschutz mit einem klaren Nein.
Das freie Auge ist die Gefahrenquelle
Wer mit einem Auge in die Dose schaut, hat das andere offen. Das BfS rät deshalb, je nach Bauart darauf zu achten, dass nicht mit dem zweiten Auge versehentlich in die Sonne geschaut wird.
Offizielle Bauanleitungen mit Video
Wer lieber Schritt für Schritt mitbaut: Das Bundesamt für Strahlenschutz stellt auf seiner Themenseite zur Sonnenfinsternis ein Video mit vollständiger Bastelanleitung bereit, dazu einen ausführlichen Frage-und-Antwort-Bereich zur Camera obscura. Für die besonders einfache Variante, die mit dem Rücken zur Sonne funktioniert, verweist das Amt auf die Pinhole-Anleitung der NASA. Beide Quellen sind kostenlos und ohne Anmeldung zugänglich.
Vier Methoden ganz ohne Basteln
Wenn die Finsternis in zwanzig Minuten beginnt und weder Karton noch Alufolie greifbar sind: Diese vier Methoden funktionieren sofort. Alle beruhen auf demselben Prinzip wie die Lochkamera – irgendwo fällt Licht durch eine kleine Öffnung und bildet die Sonne ab.
Das Küchensieb
Ein Nudelsieb oder feines Küchensieb hat Dutzende kleiner Löcher – und projiziert damit Dutzende kleiner Sonnensicheln gleichzeitig auf eine helle Fläche. Optisch die eindrucksvollste Methode und sofort einsatzbereit.
Der Laubbaum
Die Lücken zwischen Blättern wirken wie viele kleine Lochblenden. Unter einer Baumkrone verwandeln sich die runden Lichtflecken während der Finsternis in lauter kleine Sicheln. Kostet nichts.
Zwei überkreuzte Hände
Finger beider Hände rechtwinklig übereinanderlegen, sodass ein Gitter aus kleinen Rauten entsteht. Rücken zur Sonne, Schatten auf eine helle Fläche werfen – in jeder Raute erscheint eine Sonnensichel.
Strohhut, Cracker, Reibe
Alles mit vielen kleinen Löchern funktioniert: ein grob geflochtener Strohhut, ein gelochter Cracker, eine Küchenreibe. Hauptsache, die Öffnungen sind klein und der Abstand zur Projektionsfläche groß genug.
Der Haken bei diesen Methoden am 12. August 2026
Alle Schattenprojektionen brauchen direktes Sonnenlicht auf einer Fläche. Heute Abend steht die Sonne zum Maximum aber nur noch etwa vier Grad über dem Horizont; in München sind es nach Angaben der Stadt zum Maximum sogar nur knapp zwei Grad. Das Licht kommt also extrem flach – Schatten werden sehr lang und verwaschen, und in bebautem Gebiet liegt der Boden längst im Schatten von Häusern.
Praktische Konsequenz: Such dir eine Fläche, die die tiefstehende Sonne noch direkt trifft – eine nach Westen gerichtete Hauswand, ein weißes Handtuch oder ein Stück Pappe, das du senkrecht hältst. Flach auf den Boden zu projizieren funktioniert bei dieser Sonnenhöhe kaum noch.
Fernglas und Teleskop – warum wir für heute Abend abraten
Es gibt eine weitere Projektionsmethode, die ein größeres und schärferes Sonnenbild liefert: Man stellt ein Fernglas auf ein Stativ, richtet es ohne durchzuschauen auf die Sonne und fängt das austretende Lichtbündel auf einem weißen Karton hinter dem Okular auf. Sternwarten nutzen dieses Verfahren seit Generationen für Führungen. Für den spontanen Hausgebrauch raten wir davon trotzdem ab.
Ein falscher Blick genügt
Beim Ausrichten schaut man reflexhaft durchs Okular. Das Bundesamt für Strahlenschutz stuft die direkte Beobachtung durch Ferngläser, Teleskope oder Kameras als hochgefährlich ein – diese Geräte bündeln die Sonnenstrahlen zusätzlich.
Sekunden reichen aus
Andreas Vogel, Leiter des Olbers-Planetariums in Bremen, wird deutlich: „Mit einer Spiegelreflex-Kamera kann man innerhalb von Sekunden erblinden.“ Für optische Geräte gilt dasselbe Prinzip.
Umstehende sind gefährdet
Ein aufgebautes Fernglas auf einem belebten Aussichtspunkt ist eine Einladung – gerade für Kinder, die schnell einmal durchschauen. Wer projiziert, muss das Gerät durchgehend bewachen.
Die bessere Alternative
Zahlreiche Sternwarten und Planetarien bieten heute Abend öffentliche Beobachtungen mit geprüften Sonnenteleskopen an – teils inklusive Schutzbrillen vor Ort. Deutlich sicherer und meist kostenlos.
Wenn du ein Fernglas oder Teleskop trotzdem einsetzen willst, führt der einzig saubere Weg über einen geprüften Sonnenfilter vor der Optik – also auf der Objektivseite. Sebastian Ruchti vom Planetarium Laupheim warnt im SWR vor dem direkten Blick: „Ein ungeschützter Blick über längere Zeit kann die Netzhaut schädigen“. Auch bei Fernglas oder Teleskop brauche es zusätzlich einen speziellen Sonnenfilter vor dem Objektiv. Das Bundesamt für Strahlenschutz ergänzt, dass die Filter vor der Optik des Geräts angebracht werden müssen.
Sicherheitsbewertung: Diese „Alternativen“ kursieren – und sind gefährlich
Ein Blick in die Suchtrends des heutigen Tages zeigt, wonach Menschen in Deutschland suchen, wenn sie keine Brille bekommen haben. Wir haben die häufigsten Vorschläge gegen die Einschätzung des Bundesamts für Strahlenschutz gestellt. Die Behörde warnt namentlich: „Gefährlich sind etwa schwarze Filmstreifen, mit Kerzenruß geschwärzte Gläser, gefaltete Rettungsdecken, Sonnenbrillen, Schweißerbrillen oder Gletscherbrillen, Röntgenbilder und CDs“.
| Vorgeschlagene „Alternative“ | Bewertung | Begründung |
|---|---|---|
| Normale Sonnenbrille | Gefährlich | Vom BfS ausdrücklich genannt. Geeignete Filterfolien lassen höchstens 0,001 Prozent des Sonnenlichts durch – das geht weit über jede Sonnenbrille hinaus. |
| Mehrere Sonnenbrillen übereinander | Gefährlich | Auch mehrere übereinandergelegte Gläser ändern nichts am fehlenden Schutz vor der unsichtbaren Strahlung – die Abdunklung täuscht Sicherheit nur vor. |
| Schweißerbrille | Gefährlich | Steht namentlich auf der Warnliste des Bundesamts für Strahlenschutz. |
| Gletscherbrille | Gefährlich | Ebenfalls namentlich genannt. Für Streulicht auf Schnee ausgelegt, nicht für den direkten Blick in die Sonnenscheibe. |
| Gefaltete Rettungsdecke | Gefährlich | Vom BfS namentlich genannt. Die Metallisierung ist für optische Zwecke völlig unspezifiziert. |
| Rußgeschwärztes Glas | Gefährlich | Der klassische Großmutter-Tipp – und einer der gefährlichsten. Vom BfS als Hausmittel „Marke Eigenbau“ ausdrücklich abgelehnt. |
| Schwarze Filmstreifen, Negative | Gefährlich | Namentlich auf der Warnliste des Bundesamts. |
| Röntgenbilder | Gefährlich | Ebenfalls ausdrücklich genannt und für die Sonnenbeobachtung ungeeignet. |
| CD oder DVD | Gefährlich | Vom BfS namentlich als ungeeignet und gefährlich bezeichnet. |
| Blick durch Dunst oder Dämmerung | Gefährlich | Das BfS warnt ausdrücklich davor, sich durch die hohe Abdeckung oder die einsetzende Dämmerung zu weniger Schutz verleiten zu lassen. |
| Fernglas, Teleskop, Kamera ohne Filter | Hochgefährlich | Diese Geräte bündeln die Sonnenstrahlen zusätzlich. Geprüfte Filter gehören vor die Optik. |
| Lochkamera / Camera obscura | Sicher | Vom BfS als sicherste Methode empfohlen – vorausgesetzt, sie wird zur Projektion und nicht zum Durchschauen verwendet. |
| Schattenprojektion (Sieb, Baum, Hände) | Sicher | Reine Projektion, kein Blick in Richtung Sonne. Funktioniert nur, solange direktes Sonnenlicht auf die Fläche trifft. |
| Zertifizierte SoFi-Brille | Sicher | Nach DIN EN ISO 12312-2:2015 mit CE-Kennzeichnung, unbeschädigt und mit Warnhinweisen versehen. |
Warum alle diese Hilfsmittel dasselbe Problem haben
Andreas Vogel, Leiter des Olbers-Planetariums in Bremen, bringt es gegenüber buten un binnen auf den Punkt: „Solche Hilfsmittel blenden das sichtbare Licht aus, aber die unsichtbare schädliche Strahlung kommt trotzdem durch.“
Genau darin liegt die Tücke: Die Blendung verschwindet, der natürliche Schutzreflex bleibt aus – und die schädigende Strahlung erreicht die Netzhaut weiter. Daniela Weiskopf vom Bundesamt für Strahlenschutz warnt deshalb: „Man sollte sich weder durch die hohe Abdeckung der Sonne noch die einsetzende Dämmerung dazu verleiten lassen, die Augen weniger gut zu schützen“. Ihr Fazit: „Nur geprüfte Schutzbrillen oder eine indirekte Beobachtung sind sicher“.
Sonderfall Schweißerbrille
Kaum ein Suchbegriff ist heute so stark gestiegen wie „Schweißerbrille für Sonnenfinsternis“. Der Hintergrund: International kursiert seit Jahren der Hinweis, Schweißerglas ab einer bestimmten Schutzstufe sei für die Sonnenbeobachtung geeignet. Das Bundesamt für Strahlenschutz führt Schweißerbrillen dennoch namentlich auf seiner Liste ungeeigneter und gefährlicher Hilfsmittel. Für den heutigen Abend sprechen dazu sehr praktische Gründe.
Die Stufe ist meist nicht ablesbar
Bei automatischen Schweißhelmen wechselt die Verdunklung dynamisch. Ohne eindeutige, dauerhafte Kennzeichnung lässt sich nicht überprüfen, was das Glas tatsächlich leistet.
Andere Norm, anderer Zweck
Schweißerschutz ist nach anderen Normen geprüft als Sonnenfilter nach DIN EN ISO 12312-2. Der Anwendungsfall „direkter Blick in die Sonne“ ist damit schlicht nicht abgedeckt.
Gebrauchsspuren sind der Regelfall
Ein Schweißerglas aus der Werkstatt hat Kratzer, Spritzer und Verschmutzungen. Genau solche Beschädigungen machen jeden Filter unbrauchbar.
Die Alternative kostet nichts
Statt an einem ungeprüften Glas zu zweifeln: in wenigen Minuten eine Lochkamera bauen. Keine Fehlerquelle, und mehrere Personen können gleichzeitig zuschauen.
Was im Auge passiert – und warum es keine Warnung gibt
Beim ungeschützten Blick in die Sonne treffen UV-Strahlung, sichtbares Licht und Infrarotstrahlung mit hoher Intensität auf das Auge. Der UV-Anteil wird laut Bundesamt für Strahlenschutz größtenteils von Hornhaut und Linse absorbiert. Sichtbares Licht und nahes Infrarot erreichen dagegen die Netzhaut – dort, wo die für das Sehen nötigen Rezeptoren sitzen.
Hans Hoerauf, Direktor der Augenklinik der Universitätsmedizin Göttingen, beschreibt den Mechanismus gegenüber dem NDR so: Ohne Schutz „erzeugen die von der Augenlinse gebündelten Sonnenstrahlen eine gezielte Hitze in der Netzhaut, die die Sehzellen in kürzester Zeit schädigen kann“. Dadurch könnten sich „irreversible Vernarbungen am Ort des schärfsten Sehens bilden“.
Kein Schmerz, keine Warnung, keine Heilung
Das Bundesamt für Strahlenschutz beschreibt das Tückische daran deutlich: Ein Blick in die Sonne könne die Netzhaut in kürzester Zeit so schädigen, dass das Sehvermögen bleibend eingeschränkt wird oder ganz verloren geht. Netzhautschäden lösen keinen akuten Schmerz aus. Wenn die Schädigung bemerkt wird, ist es bereits zu spät – die Schäden sind vorhanden und heilen nicht mehr.
Wie real das Risiko ist, zeigt eine Beobachtung von Andreas Vogel vom Olbers-Planetarium: Bei der letzten Sonnenfinsternis in den USA stiegen in den betroffenen Regionen die Google-Suchen nach Augenverletzungen stark an.
Was tun, wenn du doch hineingeschaut hast?
Ein kurzer, unabsichtlicher Blick führt nicht zwangsläufig zu einem Schaden – Panik ist also nicht angebracht. Wenn du aber nach der Beobachtung einen dunklen Fleck, einen verzerrten Bereich, verschwommenes Sehen oder eine veränderte Farbwahrnehmung bemerkst, die nach wenigen Minuten nicht verschwindet, gehört das zeitnah augenärztlich abgeklärt – nicht erst nächste Woche. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der bundesweiten Rufnummer 116 117; bei plötzlichem, deutlichem Sehverlust gehört der Weg in eine augenärztliche Notaufnahme. Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung.
Kamera, Smartphone und Drohne: Was die Technik aushält
Wer die Finsternis festhalten will, sollte einen zweiten Gedanken an die Technik verschwenden. Die Regel gilt nicht nur für Augen: Damit die Kamera durch die direkte Sonneneinstrahlung nicht beschädigt wird, sollte laut Olbers-Planetarium ein geeigneter Schutz für das Objektiv verwendet werden. Einen solchen Schutz gebe es auch für Handykameras, damit der Kamerachip nicht überhitzt.
Der einfachste Trick fürs Handy
Andreas Vogel vom Olbers-Planetarium nennt eine Lösung, die jeder sofort umsetzen kann: „Einfach mit dem Handy durch eine Sonnenfinsternisbrille fotografieren.“ Die Brille wirkt dabei als Filter vor der Handykamera.
Brennweite für ernsthafte Fotos
Für Fotos empfiehlt Vogel eine größere Brennweite: „Am besten nimmt man eine etwas größere Brennweite, ab 200 Millimeter Brennweite, perfekt sind 500 Millimeter.“
Systemkamera: Sucher meiden
Bei einer Spiegelreflexkamera geht der Blick durch den optischen Sucher direkt durchs Objektiv – mit derselben Gefahr wie beim Fernglas. Ohne Objektivfilter ausschließlich den Live-View auf dem Display nutzen.
Das eigentlich schönere Motiv
Nicht die Sonne, sondern das Licht. Die Finsternis fällt mit dem Sonnenuntergang zusammen – Farbstimmung, lange Schatten und Gesichter im Gegenlicht ergeben eindrucksvollere Bilder als der überstrahlte Punkt am Himmel.
Drohne am Finsternisabend: erlaubt, aber mit Bedingungen
Naheliegender Gedanke für jeden, der eine Drohne besitzt: einmal hoch über Bäume und Dächer, um den freien Blick nach Westen zu bekommen. Das ist grundsätzlich möglich – heute Abend kommen allerdings mehrere Randbedingungen zusammen.
Dämmerungs- und Nachtflug
Flüge in der Dämmerung und bei Nacht sind in der offenen Kategorie zulässig, verlangen aber ein blinkendes grünes Positionslicht. Drohnen der Klassen C1 bis C3 bringen es meist mit. Der Sichtkontakt muss durchgehend bestehen bleiben.
Aussichtspunkte werden voll
Genau die Orte mit freiem Westblick sind heute Abend Menschenansammlungen. Über unbeteiligten Personen zu fliegen, ist in der offenen Kategorie nicht zulässig – der schöne Startplatz ist damit oft der falsche.
Die Sonne bleibt ein Sensorrisiko
Für die Drohnenkamera gilt dasselbe wie für jede andere: die tiefstehende Sonne nicht länger formatfüllend im Bild halten. Filme die Landschaft, nicht die Sonne.
Vor dem Start prüfen
Geozonen, Mindestabstände und Versicherungsschutz gelten unverändert. Einen Überblick gibt unser Ratgeber zu den Vorschriften und Genehmigungen für Drohnen.
Drohne bei Dunkelheit fliegen: die Regeln Drohnenversicherung im Vergleich
Mit Kindern beobachten – die Lochkamera ist hier klar im Vorteil
Bei Kindern spricht vieles für die Projektionsmethode. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt Lochkameras gerade für Kinder – und begründet das mit der Bauform selbst: „Je größer der Karton, desto geringer ist das Risiko für Kinder, aus Versehen doch in die Sonne zu schauen.“ Eine Brille dagegen verlangt ständige Aufsicht: Sie rutscht, wird abgesetzt, weitergegeben, verkehrt herum aufgesetzt.
Das Basteln ist der halbe Spaß
Der Nachmittag vor der Finsternis lässt sich mit Karton, Alufolie und Reißzwecke gut füllen. Kinder verstehen das Prinzip nebenbei – Licht fällt durch ein Loch und malt ein Bild.
Alle sehen dasselbe gleichzeitig
Ein großer Kartonprojektor oder eine Siebprojektion an der Hauswand ist ein Gemeinschaftserlebnis. Bei einer einzelnen Brille warten immer alle, bis der Nächste dran ist.
Klare Ansage vorher
Eine einzige Regel, die vor dem Rausgehen sitzen muss: Niemals direkt zur Sonne schauen – auch nicht kurz. Kinder halten sich daran, wenn sie den Grund kennen.
Das zweite Auge im Blick behalten
Bei Guckloch-Bauformen wie der Chipsdose: Tuch über den Kopf legen, wie es das Bundesamt empfiehlt. Sonst schaut das freie Auge unweigerlich dorthin, wo die Spannung ist.
Timing: Wann deine Lochkamera fertig sein muss
Am 12. August 2026 läuft die partielle Sonnenfinsternis über Deutschland in einem knapp zweistündigen Fenster ab. Die Zeiten verschieben sich von Nordosten nach Südwesten um einige Minuten. Wichtig für die Bastelplanung: Die Sichelform wird erst ab etwa einem Drittel Bedeckung deutlich – die spannenden Minuten liegen also rund um das Maximum.
| Region | Beginn | Maximum | Bedeckung |
|---|---|---|---|
| Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern | ab 19:11 Uhr | ca. 20:07 Uhr | rund 85 % |
| Berlin und Brandenburg | ab ca. 19:15 Uhr | ca. 20:09 Uhr | rund 85 % |
| Nordrhein-Westfalen | ab ca. 19:17 Uhr | ca. 20:13 Uhr | rund 90 % |
| Bayern und Baden-Württemberg | ab ca. 19:19 – 19:23 Uhr | ca. 20:16 Uhr | rund 89 % |
| Freiburg und Bodensee | ab ca. 19:23 Uhr | ca. 20:18 Uhr | rund 90 % (Maximum in Deutschland) |
Die Zeiten für das Maximum stammen vom Haus der Astronomie in Heidelberg, zitiert nach ZDFheute. Das Ende der Finsternis liegt rechnerisch zwischen 20:48 und 21:03 Uhr – vielerorts geht die Sonne allerdings noch teilweise verfinstert unter. Alle Zeiten, Sonnenhöhen und Beobachtungstipps im Detail stehen in unserem Artikel zu Uhrzeiten und Sichtbedingungen.
Praxistipp
Bau die Lochkamera nicht erst um 19 Uhr
Der häufigste Fehler ist nicht die falsche Bauart, sondern die falsche Reihenfolge: erst rausgehen, dann merken, dass das Loch nicht passt. Probier die fertige Kamera vorher einmal aus – bei normaler Sonne funktioniert sie genauso, du siehst dann eben eine runde Scheibe statt einer Sichel. Wenn du den hellen Punkt auf dem Butterbrotpapier findest und scharf bekommst, ist die Kamera einsatzbereit. Diese fünf Minuten Vorlauf entscheiden darüber, ob du am Abend beobachtest oder bastelst.
FAQ: Sonnenfinsternis ohne Brille beobachten
Kann man die Sonnenfinsternis wirklich ohne Brille sehen?
Ja – aber nur indirekt. Man beobachtet dabei nicht die Sonne selbst, sondern ihr projiziertes Abbild. Das Bundesamt für Strahlenschutz bezeichnet die indirekte Betrachtung mittels Lochkamera als sicherste Methode: „Sie gilt als sicherste Methode zur Beobachtung, da man nicht direkt in die Sonne guckt.“ Ein direkter Blick ohne zertifizierte Schutzbrille ist dagegen zu keinem Zeitpunkt sicher.
Wie baue ich schnell eine Lochkamera?
Für die schnellste Variante brauchst du zwei Stück Pappe. In die erste stichst du mit einer Nadel ein sauberes Loch. Dann stellst du dich mit dem Rücken zur Sonne, hältst die gelochte Pappe über die Schulter und fängst das Licht auf der zweiten Pappe auf. Der helle Punkt darauf ist das Bild der Sonne – während der Finsternis eine Sichel. Je größer der Abstand, desto größer das Bild.
Was empfiehlt die Sternwarte konkret?
Andreas Quirrenbach, Leiter der Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl, sagt für den Fall fehlender Brillen: „Wenn Sie keine Schutzbrille bekommen können, dann können Sie sich eine Lochkamera basteln.“ Dazu benötige man einen größeren Karton und Butterbrotpapier; mit einer Reißzwecke werde auf einer Seite ein größeres Loch angebracht, auf der anderen das Butterbrotpapier. Sein Fazit: „Damit können Sie die Sonne sicher projizieren.“
Darf ich durch die Lochkamera in die Sonne schauen?
Nein. Die Lochkamera ist ausschließlich zur indirekten Projektion gedacht. Das Bundesamt für Strahlenschutz weist ausdrücklich darauf hin, dass man sie nicht direkt in Richtung Sonne hält – es genügt, sie grob in die Richtung des Ereignisses zu positionieren. Bei Bauformen mit Guckloch muss zusätzlich das zweite Auge abgedeckt werden.
Kann ich eine Sonnenfinsternisbrille selber machen?
Nein, davon raten die Fachstellen ausdrücklich ab. Geeignete Schutz- oder Folienbrillen dürfen höchstens 0,001 Prozent des Sonnenlichts durchlassen und müssen nach DIN EN ISO 12312-2:2015 geprüft sein. Solches Material lässt sich im Haushalt nicht ersetzen und die Schutzwirkung nicht überprüfen. Wer keine Brille hat, nutzt die Projektionsmethode – sie ist nicht der schlechtere Kompromiss, sondern die sicherere Lösung.
Ist eine Schweißerbrille für die Sonnenfinsternis geeignet?
Nein. Das Bundesamt für Strahlenschutz führt Schweißerbrillen namentlich auf der Liste ungeeigneter und gefährlicher Hilfsmittel – zusammen mit schwarzen Filmstreifen, rußgeschwärzten Gläsern, gefalteten Rettungsdecken, Sonnenbrillen, Gletscherbrillen, Röntgenbildern und CDs. Der international kursierende Hinweis auf eine bestimmte Schutzstufe hilft in der Praxis nicht weiter, weil sich die tatsächliche Stufe bei handelsüblichen Helmen kaum verlässlich prüfen lässt.
Reicht eine Sonnenbrille, wenn ich mehrere übereinanderlege?
Nein. Andreas Vogel vom Olbers-Planetarium Bremen erklärt das Grundproblem aller Behelfslösungen: „Solche Hilfsmittel blenden das sichtbare Licht aus, aber die unsichtbare schädliche Strahlung kommt trotzdem durch.“ Mehrere Gläser dämpfen also die Blendung – und nehmen damit ausgerechnet den natürlichen Schutzreflex weg, während die schädigende Strahlung weiter zur Netzhaut gelangt.
Funktioniert die Projektion auch bei tiefstehender Sonne?
Ja, aber du musst umdenken. Zum Maximum steht die Sonne nur noch etwa vier Grad über dem Horizont. Flach auf den Boden zu projizieren funktioniert dann kaum noch, weil das Licht sehr flach einfällt und der Boden meist beschattet ist. Halte die Projektionsfläche stattdessen senkrecht – ein Stück Pappe, ein weißes Handtuch oder eine nach Westen gerichtete Hauswand.
Kann ich die Finsternis mit dem Handy fotografieren?
Ja, mit einem einfachen Trick. Andreas Vogel vom Olbers-Planetarium empfiehlt: „Einfach mit dem Handy durch eine Sonnenfinsternisbrille fotografieren.“ Ohne Schutz gilt: Damit die Kamera durch die direkte Sonneneinstrahlung nicht beschädigt wird, sollte ein geeigneter Schutz für das Objektiv verwendet werden – solchen Schutz gibt es auch für Handykameras, damit der Kamerachip nicht überhitzt.
Welche Brennweite brauche ich für richtige Fotos?
Für Fotos mit einer Kamera empfiehlt Andreas Vogel eine größere Brennweite: „Am besten nimmt man eine etwas größere Brennweite, ab 200 Millimeter Brennweite, perfekt sind 500 Millimeter.“ Wichtig bleibt in jedem Fall ein geeigneter Filter vor dem Objektiv – ohne ihn sind sowohl die Technik als auch das Auge am Sucher gefährdet.
Was mache ich, wenn ich versehentlich in die Sonne geschaut habe?
Ein kurzer, unabsichtlicher Blick führt nicht zwangsläufig zu einem Schaden. Achte in den folgenden Stunden aber auf Warnzeichen: einen dunklen oder verzerrten Fleck im zentralen Sichtfeld, verschwommenes Sehen oder veränderte Farbwahrnehmung. Verschwinden diese nicht innerhalb weniger Minuten, solltest du zeitnah augenärztlich abklären lassen. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Warum steht das Bild in der Lochkamera auf dem Kopf?
Weil sich die Lichtstrahlen im Loch kreuzen: Licht vom oberen Rand der Sonne fällt auf den unteren Teil der Projektionsfläche und umgekehrt. Das Bundesamt für Strahlenschutz beschreibt das Abbild entsprechend als auf dem Kopf stehend und seitenverkehrt. Genau so arbeitet auch das menschliche Auge – unser Gehirn dreht das Bild lediglich wieder um.
Kann ich das Küchensieb wirklich verwenden?
Ja, und es ist eine der eindrucksvollsten Methoden. Jedes Loch im Sieb wirkt als eigene Lochblende und wirft ein eigenes Sonnenbild – während der Finsternis erscheinen also Dutzende kleiner Sicheln nebeneinander. Voraussetzung ist direktes Sonnenlicht auf einer hellen Fläche. Bei der heutigen tiefstehenden Sonne hältst du die Auffangfläche am besten senkrecht statt flach.
Brauche ich für die Perseiden auch Hilfsmittel?
Nein – und das ist die gute Nachricht: Den Sternschnuppenstrom in derselben Nacht beobachtet man mit bloßem Auge. Andreas Quirrenbach rät, einen dunklen Ort aufzusuchen und sich Zeit zu geben; das Auge brauche mindestens zwanzig Minuten, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, und man solle dabei nicht auf das Smartphone schauen. Sein Ausblick: „Bis zu zwei Sternschnuppen pro Minute können Sie sehen.“
Fazit: Keine Brille zu haben ist kein Grund, das Ereignis zu verpassen
Die ehrlichste Erkenntnis dieses Artikels ist zugleich die beruhigendste: Die sicherste Methode, eine Sonnenfinsternis zu beobachten, kostet nichts. Das Bundesamt für Strahlenschutz stuft die Projektion mit einer Lochkamera nicht als Notlösung ein, sondern als sicherste Methode – weil die entscheidende Fehlerquelle wegfällt: der direkte Blick.
Was dagegen keine Option ist, sind die Behelfslösungen, die gerade durch die Suchmaschinen laufen. Sonnenbrille, Schweißerbrille, Rettungsdecke, rußgeschwärztes Glas, CD, Röntgenbild – sie alle stehen namentlich auf der Warnliste des Bundesamts. Ihr gemeinsames Problem hat Andreas Vogel vom Olbers-Planetarium in einem Satz zusammengefasst: Sie blenden das sichtbare Licht aus, während die unsichtbare schädliche Strahlung durchkommt. Sie machen den Blick angenehm, nicht sicher.
Die Kurzfassung für heute Abend
Nimm zwei Stück Pappe und eine Nadel, stich ein Loch, stell dich mit dem Rücken zur Sonne und fang das Bild auf der zweiten Pappe auf. Das dauert zwei Minuten und ist sicher. Wer mehr Zeit hat, baut den Kartonprojektor mit Butterbrotpapier, den die Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl empfiehlt – je größer der Karton, desto besser. Und wer gar nichts basteln will, nimmt ein Küchensieb und hält ein weißes Handtuch senkrecht dahinter. Die eine Regel, die über allem steht, formuliert Astronom Andreas Quirrenbach so: „Gucken Sie nie ohne eine Schutzbrille in die Sonne – auch nicht mit einer Sonnenbrille.“
Quellen
- Bundesamt für Strahlenschutz: Partielle Sonnenfinsternis am 12.08.2026 – Tipps für Sonnengucker – Schutzanforderungen, Camera obscura, Warnliste
- SWR Aktuell: Interview mit Andreas Quirrenbach, Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl
- buten un binnen (Radio Bremen): Andreas Vogel, Olbers-Planetarium Bremen, zu Schutz und Fotografie
- NDR: Hans Hoerauf, Universitätsmedizin Göttingen, zu Netzhautschäden
- wissenschaft.de: Daniela Weiskopf, Bundesamt für Strahlenschutz
- SWR Aktuell: Sebastian Ruchti, Planetarium Laupheim, zu Fernglas und Teleskop
- ZDFheute: Uhrzeiten nach Angaben des Hauses der Astronomie Heidelberg
- NASA/JPL: How to Make a Pinhole Camera
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Sicherheitshinweis
Dieser Artikel fasst öffentlich zugängliche Empfehlungen des Bundesamts für Strahlenschutz sowie Aussagen von Fachleuten aus Sternwarten, Planetarien und Augenkliniken zusammen; die verwendeten Quellen sind oben einzeln verlinkt. Er ersetzt keine augenärztliche Beratung und keine individuelle Sicherheitsprüfung. Prüfe Schutzausrüstung stets selbst auf Kennzeichnung und Unversehrtheit. Bei Beschwerden nach der Beobachtung – insbesondere dauerhaften Flecken im Sichtfeld, verzerrtem oder verschwommenem Sehen – wende dich zeitnah an eine augenärztliche Praxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Die Verantwortung für die eigene Beobachtung und die von Kindern liegt bei den Beobachtenden.
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