🛰️ Funkstille, maschinenschnell: Friend and Foe Operating System (FAFOS)
Allen Control Systems (ACS) hat mit dem Friend and Foe Operating System (FAFOS) ein neuartiges, KI-gestütztes Erkennungssystem vorgestellt, das Drohnen rein optisch identifiziert – ohne Funk, GPS oder Netzwerk. FAFOS nutzt modulierte NIR- und SWIR-Lichtsignale (Near und Short Wave Infrared), um befreundete und fremde UAVs auf Entfernungen bis zu 2 Kilometern zu unterscheiden und Befehle sicher zu übertragen. Die Antwortzeit liegt unter 200 Millisekunden – ein entscheidender Faktor für autonome Drohnenabwehr in elektronisch gestörten Umgebungen.
Mit dieser Technologie adressiert ACS eine zentrale Schwachstelle moderner Counter-UAS-Systeme: die Abhängigkeit von Funk, GPS und Netzwerken. FAFOS überträgt verschlüsselte Signale über moduliertes Licht, bleibt dabei radio-silent und nutzt eine Public-Key-Infrastruktur (PKI) für eine sichere optische Challenge-Response. So lassen sich eigene Einheiten, Fahrzeuge oder UAVs identifizieren, ohne elektromagnetische Signaturen zu erzeugen. CEO Mike Wior beschreibt die Vision als „secure identification at machine-speed, before friendly fire or a wasted interceptor.“
FAFOS kombiniert optische Kommunikation mit Public-Key-Verschlüsselung und ermöglicht damit eine radiofreie Freund-Feind-Erkennung sowie die Übertragung sicherer Kommandos – etwa Land oder Return Home – über Sichtverbindung. Das System ist für stationäre und mobile Plattformen konzipiert und erreicht laut Hersteller eine Reichweite von bis zu 2 Kilometern bei einer Reaktionszeit unter 200 Millisekunden. Durch die Nutzung modulierter NIR/SWIR-Signale soll FAFOS auch bei reduzierten Lichtverhältnissen arbeiten; konkrete Leistungsdaten für Nebel- oder Niedersichtbedingungen wurden vom Hersteller bislang jedoch nicht spezifiziert.
Parallel zum FAFOS-System stellt Allen Control Systems (ACS) die Bullfrog Weapon Station vor – eine autonome, KI-gestützte Waffenplattform, die für die Bekämpfung unbemannter Luftfahrzeuge entwickelt wurde. Laut Herstellerdatenblatt arbeitet das System mit AI-Fire-Control, optischer Zielerfassung und FAFOS-Integration, um Bedrohungen in Echtzeit zu erkennen, zu priorisieren und mit minimaler menschlicher Interaktion zu neutralisieren. Bullfrog folgt einer offenen Systemarchitektur und kann auf Fahrzeugen, Schiffen oder stationären Verteidigungsanlagen installiert werden. Die Plattform wird laut Hersteller als „hochakurat“ beschrieben.
Die Bullfrog-Reihe umfasst laut ACS mehrere Varianten mit unterschiedlicher Bewaffnung und Reichweite:
- Bullfrog M134 – 7,62×51 mm Gatling-System mit variabler Feuerrate (Herstellerangabe: 2.000–6.000 Schuss/Min.) und einer Reichweite bis ca. 800 Metern. Vorgesehen für den Schutz von Fahrzeugen und die Abwehr kleiner FPV-Drohnen oder Schwarmziele.
- Bullfrog M240 – 7,62×51 mm-System für stationäre oder maritime Anwendungen, Gesamtgewicht laut Datenblatt rund 75 kg, mit automatischem Zieltracking und präziser Feuerleitung. Entwickelt für den Schutz kritischer Infrastruktur gegen Drohnen der Gruppen 1 bis 3.
- Bullfrog M2 – .50 cal / 12,7 mm-Variante mit einer Reichweite bis rund 1.500 Metern. Ausgelegt für größere UAVs (Gruppe 3+) sowie leichte Luft- und Bodenziele.
- Bullfrog M230 – 30×113 mm-System mit ca. 200 Schuss pro Minute, Reichweite bis 1.500 Meter. Entwickelt für hochbedrohliche UAV- oder UxS-Ziele; laut Hersteller optional teilautonomer oder vollautonomer Betrieb möglich.
Alle Varianten nutzen laut ACS eine KI-basierte Feuerleitarchitektur, die Sensordaten in Echtzeit verarbeitet, um eine millisekundengenaue Reaktion zu ermöglichen. In Kombination mit dem FAFOS-System entsteht ein radio-silent, verschlüsseltes Abwehrnetzwerk, das visuelle Zielerkennung mit autonomen Entscheidungsprozessen verbindet.
Allen Control Systems (ACS) ist ein US-amerikanisches Verteidigungstechnologie-Unternehmen mit Hauptsitz in Austin, Texas, und weiteren Standorten in Alexandria (Virginia) und Huntsville (Alabama). Das Unternehmen wurde von Mike Wior (CEO), Steve Simoni (President) und Luke Allen (CTO) gegründet – einem Team mit Erfahrung in der US Navy sowie in den Bereichen Robotik, Computer Vision und Künstliche Intelligenz. Wior war zuvor Mitgründer von Omnivore (verkauft an Olo), während Simoni und Allen nach ihrer Tätigkeit als Nuclear Instrumentation and Control Engineers das Robotik-Start-up BBot gründeten (2022 von DoorDash übernommen).
Hard to believe this was only 18 months ago: our first FPV kill shot. We’ve come a long way since “does it even work?”
Shoutout to everyone who’s been backing the mission from the start! pic.twitter.com/pXS4BcJXTK
— Allen Control Systems (@allencontrol) October 28, 2025
ACS entwickelt Systeme zur autonomen Zielidentifikation und Drohnenabwehr auf Basis von KI und optischer Sensorik. Das Unternehmen verfolgt einen Low-SWaP-Ansatz (geringer Stromverbrauch, Gewicht, Kosten) und zielt auf die Integration seiner Technologien in bestehende Plattformen von Boden-, See- und Luftstreitkräften.
Die optische, kryptografische IFF-Erkennung gilt als wichtiger Entwicklungspfad für militärische Anwendungen in RF-denied environments, also in Bereichen mit gestörter Funkkommunikation. Laut ACS kann FAFOS in bestehende Sensorfusionsnetzwerke integriert werden und bietet potenzielle Vorteile für künftige NATO-Konzepte der autonomen Zielidentifikation. Eine formale NATO-Zertifizierung oder operative Integration ist derzeit jedoch nicht dokumentiert; die Aussage zur Interoperabilität ist daher als potenzieller Einsatznutzen zu verstehen.
Some days are in the lab, others are live fire. pic.twitter.com/O1GxhbMS1X
— Allen Control Systems (@allencontrol) October 23, 2025
Nach Darstellung des Herstellers entsteht im Verbundbetrieb eine autonome Abwehrkette: FAFOS identifiziert ein Objekt, übermittelt optisch verifizierte Daten an die Bullfrog-Station, die dann Zielauswahl und Reaktion KI-gestützt einleitet. Diese Architektur reduziert menschliche Reaktionszeiten und erhöht die Effektivität in Hochrisiko-Zonen – etwa an Grenzen, Energieanlagen oder taktischen Vorposten. Ein integrierter Feldtest im Jahr 2026 ist laut ACS geplant.
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Fazit: Optische Identifikation als Schlüssel zur autonomen Abwehr
Mit FAFOS und der Bullfrog-Plattform skizziert Allen Control Systems ein mögliches Zukunftsmodell der Drohnenabwehr: maschinenschnelle, optische Identifikation ohne Funk kombiniert mit präziser, KI-gestützter Feuerkontrolle. Die angegebenen Leistungsdaten stammen aus Herstellerdokumenten und stehen unter dem Vorbehalt unabhängiger Evaluierungen. Dennoch markiert die Kombination aus optischer Kryptografie und autonomer Zielneutralisation einen bedeutenden Schritt für die Entwicklung resilienter C-UAS-Systeme.


