Weltzeit · Schaltsekunde · Orientierung
Die Weltzeit wird kontinuierlich. Die Sommerzeit bleibt eine eigene Frage.
Die neue UTC-Regel betrifft die technische Zeitbasis. Wir ordnen den Beschluss, den Stichtag und die Folgen für Navigation und Alltagsuhren ein.
- Beginn: 20. Mai 2027
- UTC und UT1 unterscheiden
- Keine sofortige Sprungstunde
Stand: 16. Oktober 2026Aktuelle Nachrichten und dokumentierter Hintergrund
Die Weltzeit wird 2027 tatsächlich umgestellt – aber anders, als die Schlagzeile vermuten lässt. Die internationale Generalkonferenz für Maß und Gewicht hat eine kontinuierliche koordinierte Weltzeit ab dem 20. Mai 2027 beschlossen. Im Mittelpunkt steht die Schaltsekunde, mit der die atomare Zeit bisher an die ungleichmäßige Erdrotation angeglichen wird. Für den Alltag bedeutet das weder eine zusätzliche Stunde auf der Uhr noch die Abschaffung der Sommer- und Winterzeit.
Die Entscheidung der 28. CGPM ist in Resolution 5 von 2026 dokumentiert. Technisch ist sie bedeutsam, weil Navigation, Kommunikationsnetze, Messsysteme und Computer auf konsistente Zeitangaben angewiesen sind. Für Smartphone- oder Drohnenbesitzer ist daraus zunächst keine pauschale Austausch- oder Updatepflicht abzuleiten. Wir erklären die Unterschiede zwischen UTC, Atomzeit und Erdrotationszeit – und warum die neue Ein-Stunden-Grenze keine angekündigte Sprungstunde ist.
Was wurde für die Weltzeit 2027 beschlossen?
Die bisherige Verbindung zwischen UTC und der durch die Erdrotation bestimmten Zeit UT1 wird gelockert. Anstelle des engen bisherigen Abstands darf die Differenz künftig bis zu 3.600 Sekunden betragen. Der große Toleranzbereich soll einen über sehr lange Zeiträume kontinuierlichen UTC-Betrieb ermöglichen. Entscheidend ist dabei das Wort Differenz: Es handelt sich um einen zulässigen Abstand zweier Zeitskalen, nicht um einen Auftrag, sämtliche Uhren sofort um diese Zeitspanne zu verstellen.
Schon 2022 hatte die CGPM die Richtung vorgegeben: Die Grenze sollte spätestens 2035 erhöht werden, damit UTC langfristig ohne Schaltsekunden auskommt. Der aktuelle Beschluss konkretisiert den Beginn. Wer noch auf einen allgemeinen „Zeitplan bis 2035“ verweist, sollte deshalb die neue Entscheidung ergänzen und die älteren Unterlagen zeitlich einordnen.
Die Reform betrifft die langfristige Führung der UTC und ihren Zusammenhang mit der Erdrotation.
Der Beschluss ändert weder den Kalender noch die national gewählten Zeitzonen und Sommerzeitregeln.
UTC, TAI und UT1: Drei Zeiten mit unterschiedlichen Aufgaben
Eine Uhr beantwortet im Alltag die Frage, wann ein Termin beginnt. In der Messtechnik sind zwei Aufgaben zu unterscheiden: Wie lang ist eine Sekunde, und welches Datum beziehungsweise welche Uhrzeit ordnen wir einer Folge solcher Sekunden zu? Moderne Zeitmessung verwendet atomphysikalische Referenzen. Die Drehung der Erde bleibt dennoch für die Beziehung zum Sonnenstand relevant. Genau aus dieser Kombination entstehen unterschiedliche Zeitskalen.
Die PTB erläutert die internationale Atomzeit TAI als aus Uhrenvergleichen gebildete Referenz. UT1 beschreibt dagegen die Orientierung der Erde aus ihrer Rotation. UTC dient als internationale Grundlage ziviler Zeitangaben. Sie folgt dem atomaren Sekundentakt, wurde aber durch Schaltsekunden in der Nähe von UT1 gehalten.
| Begriff | Worum es geht | Praktische Bedeutung |
|---|---|---|
| TAI | Internationale Atomzeit | Gleichmäßige atomare Referenz ohne das bisherige UTC-Schaltsekundenverfahren. |
| UT1 | Zeit aus der tatsächlichen Erdrotation | Wichtig für Aufgaben mit präzisem Bezug zur Erdausrichtung. |
| UTC | Koordinierte Weltzeit | Internationale Basis für zivile Uhrzeiten und technische Zeitstempel. |
| MEZ / MESZ | Mitteleuropäische Zeit / Sommerzeit | Für Deutschland UTC plus eine beziehungsweise zwei Stunden. |
| GNSS-Systemzeit | Referenz eines Navigationssystems | Kann eigene Regeln und einen berechenbaren Bezug zur UTC besitzen. |
Warum es überhaupt Schaltsekunden gibt
Die Erde ist kein idealer Taktgeber. Ihre Rotationsgeschwindigkeit verändert sich, während eine atomar definierte Sekunde einem festgelegten physikalischen Maß folgt. Würden beide Zeitbeschreibungen völlig unabhängig laufen, würde sich ihr Abstand verändern. Schaltsekunden wurden eingeführt, um diesen Abstand klein zu halten. Anders als beim Schaltjahr wird dabei kein zusätzlicher Tag in einen festen Kalenderzyklus eingeordnet.
Eine positive Schaltsekunde kann am Ende eines entsprechenden UTC-Tages als 23:59:60 erscheinen. Erst danach folgt 00:00:00. Die zusätzliche Sekunde ist damit eine besondere Zählstelle, die Software ausdrücklich beherrschen muss. Eine negative Schaltsekunde würde eine Zählstelle überspringen. Die technische Schwierigkeit liegt nicht darin, dass eine Sekunde im Alltag lang wäre, sondern darin, dass viele vernetzte Systeme dieselbe Ausnahme konsistent behandeln müssen.
Ein Beispiel aus eigener technischer Einordnung: System A protokolliert eine Nachricht mit eingefügter Sondersekunde. System B kennt nur Sekundenwerte von 00 bis 59. Ein drittes System verteilt die Korrektur langsam über ein Zeitfenster. Werden die Aufzeichnungen später zusammengeführt, können gleiche Uhrzeitangaben unterschiedlich interpretiert werden. Ein kontinuierlicher gemeinsamer Maßstab verringert solche Sonderfälle, ersetzt aber keine saubere Softwarearchitektur.

Wird die Sommerzeit 2027 abgeschafft?
Nein, dieser Beschluss schafft die Sommerzeit nicht ab. Die saisonale Umstellung der Ortszeit ist eine andere Regelung. Das lässt sich an einem einfachen Beispiel sehen: Ob ein deutscher Termin mit UTC+1 oder UTC+2 angezeigt wird, betrifft die Beziehung zwischen Weltzeit und Ortszeit. Ob UTC eine Schaltsekunde enthält, betrifft die Zählung innerhalb der Referenz selbst.
Die von der Europäischen Kommission veröffentlichte Sommerzeit-Mitteilung für die Jahre 2027 bis 2031 nennt für 2027 den 28. März als Beginn und den 31. Oktober als Ende der Sommerzeit, jeweils um 01:00 UTC. Daraus ergeben sich für Deutschland die bekannten Übergänge von 02:00 auf 03:00 Uhr im März und von 03:00 auf 02:00 Uhr im Oktober.
Das hat auch eine praktische Folge für Kalender: Eine Uhrzeit ohne Zeitzonenangabe kann beim Herbstwechsel doppelt vorkommen. Eine saubere Terminangabe benötigt daher weiterhin die passende Zeitzone. Die Reform der Schaltsekunde beseitigt diese saisonale Mehrdeutigkeit nicht. Wer internationale Videokonferenzen, Reisezeiten oder automatisierte Aufnahmen plant, sollte deshalb weiterhin Zeitzonen statt starrer Stundenaufschläge verwenden.
Ich meine die Weltzeit-Reform
Ab dem 20. Mai 2027 soll UTC kontinuierlich geführt werden. Der Beschluss betrifft die Schaltsekunde und den Bezug zur Erdrotation.
Ich meine Sommer- und Winterzeit
Für 2027 sind die EU-Übergänge am 28. März und 31. Oktober separat veröffentlicht. Der UTC-Beschluss hebt diese Regeln nicht auf.
Ich möchte wissen, ob mein Gerät betroffen ist
Aus dem Beschluss allein folgt keine Austauschpflicht. Automatische Zeitversorgung, reguläre Aktualisierungen und konkrete Herstellerhinweise sind maßgeblich.
Was bedeutet der erlaubte Unterschied von einer Stunde?
Ein Grenzwert beschreibt zunächst, wie weit zwei Größen auseinanderliegen dürfen. Er sagt nicht, dass dieser Abstand sofort erreicht wird. Vergleichbar ist eine technische Temperaturtoleranz: Eine zulässige Abweichung macht ein Gerät nicht schlagartig um diesen Betrag wärmer. Bei der Zeit hängt die tatsächliche Entwicklung vom weiteren Verlauf der Erdrotation ab.
Aus dem neuen Abstand lässt sich daher kein seriöses Datum für eine angeblich bevorstehende „Schaltstunde“ berechnen, indem einfach eine konstante jährliche Verschiebung fortgeschrieben wird. Dafür ist die Rotation der Erde zu veränderlich. Präzise Aussagen zur jeweils aktuellen Differenz gehören zu den zuständigen Zeit- und Erdrotationsdiensten. Astronomische Anwendungen, die UT1 benötigen, müssen diesen Bezug weiterhin gesondert berücksichtigen.
Auch ein Wechsel der Sekundenlänge ist damit nicht gemeint. Wer zwischen Dauer und Uhrzeit unterscheidet, erkennt den Zusammenhang leichter: Zehn sauber gemessene Sekunden bleiben eine Dauer. Die Frage, welchen Namen der letzte Zählpunkt trägt und wie er zur Erdorientierung passt, betrifft das verwendete Zeitsystem.
Was bedeutet die Reform für GPS, Galileo und Drohnen?
Satellitennavigation beruht auf präzisen Zeitmessungen, ist aber nicht mit einer einzelnen UTC-Uhr gleichzusetzen. Die ESA-Navigationsdokumentation zu GNSS-Zeitreferenzen erklärt, dass etwa GPS eine kontinuierliche eigene Systemzeit ohne Schaltsekunden verwendet. Auch Galileo besitzt eine eigene Zeitreferenz. Die Umrechnung zur zivilen Zeit wird über definierte Beziehungen und übermittelte Parameter hergestellt.
Für die Einordnung einer Kameradrohne muss deshalb zwischen Positionsbestimmung, Zeitanzeige und Zeitstempel einer Aufnahme unterschieden werden. Ein neues UTC-Verfahren bedeutet nicht automatisch, dass das Satellitensignal ausfällt oder der Flugregler seine Navigation verliert. Ebenso wenig wäre die pauschale Aussage seriös, sämtliche vorhandenen Geräte könnten jede Änderung ohne Prüfung verarbeiten.
Entscheidend sind die konkrete Implementierung und die Herstellerinformationen. Relevant kann beispielsweise sein, wie ein Empfänger Zeitparameter auswertet, wie die Kamera ihre Dateizeit setzt und wie Auswertesoftware Zeitstempel mehrerer Sensoren zusammenführt. Wer eine Vermessungsmission vorbereitet, sollte Fluggerät, GNSS-Empfänger und Verarbeitungssoftware gemeinsam betrachten. Eine aus dem Beschluss abgeleitete generelle Kaufempfehlung für neue Hardware wäre unbegründet.
Muss ich Smartphone, Funkuhr oder Computer umstellen?
Für private Nutzer ergibt sich aus der internationalen Entscheidung keine Anweisung, am Stichtag manuell eine Sekunde oder Stunde zu addieren. Smartphones und Computer beziehen ihre Zeit in der Regel über Betriebssystemdienste oder Netzwerke; Funkuhren empfangen entsprechende Zeitsignale. Die PTB beschreibt ihre Zeitverbreitung unter anderem über DCF77 und Internetdienste.
Sinnvoll bleibt die übliche Gerätepflege: automatische Zeitsynchronisierung verwenden, reguläre Betriebssystemaktualisierungen installieren und konkrete Herstellerhinweise beachten. Wer dagegen ein abgeschottetes Messnetz, eine ältere Industrieanlage oder eigene Zeitserver betreibt, hat andere Prüfaufgaben als ein Smartphonebesitzer. Hier gehören Zeitquelle, Protokoll, Firmware und Anwendungslogik zusammen in die Bestandsaufnahme.
Ein praktischer Prüfpunkt für Administratoren ist die Dokumentation: Welche Zeit ist in gespeicherten Daten gemeint? Sind Werte in UTC, lokaler Zeit oder einer GNSS-Systemzeit abgelegt? Werden Zeitzone und Umrechnung getrennt behandelt? Solche Angaben helfen unabhängig von der Reform und vermeiden Fehler, wenn Aufzeichnungen aus mehreren Geräten oder Ländern zusammenkommen.
Video: die Fachsitzung zur Zukunft der Zeitmessung
Der offizielle BIPM-Mitschnitt vom 15. Oktober 2026 zeigt die öffentliche Sitzung zu den Herausforderungen der Zeitmetrologie. Das Programm umfasst neben kontinuierlicher UTC auch die künftige Definition der Sekunde und Zeitreferenzen für den Mond. Diese Themen gehören zusammen zur Zeitforschung, sind aber jeweils eigene Vorhaben.
Day 3: CGPM 2026 – Challenges and future for Time metrology
BIPM · 15. Oktober 2026
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Häufige Fragen zur Weltzeitänderung 2027
Werden alle Uhren weltweit um eine Stunde verstellt?
Nein. Eine größere erlaubte Differenz zweier Zeitskalen ist keine sofortige Verstellung der Alltagsuhren.
Ist die Schaltsekunde das Gleiche wie der 29. Februar?
Nein. Der Schalttag gehört zum Kalender und gleicht das Kalenderjahr an den Jahreslauf an. Die Schaltsekunde betrifft den Zusammenhang zwischen UTC und Erdrotation.
Fallen Sommer- und Winterzeit weg?
Der Weltzeit-Beschluss ändert diese Regelung nicht. Für 2027 sind die europäischen Sommerzeitübergänge separat veröffentlicht.
Brauche ich deswegen eine neue Drohne?
Aus dem Beschluss allein folgt das nicht. Maßgeblich sind die konkrete Technik und gegebenenfalls Hinweise des jeweiligen Herstellers.
Fazit: ein großer Schritt für die Zeitinfrastruktur
Die Reform vereinfacht die langfristige gemeinsame Zeitbasis technischer Systeme. Im Alltag ist die wichtigste Unterscheidung weiterhin die zwischen Weltzeit, Ortszeit und Sommerzeit. Für Navigation und Messanwendungen lohnt sich eine präzise Dokumentation der verwendeten Referenzen. Alarmmeldungen über eine weltweite Sprungstunde, ein Ende der Sommerzeit oder einen pauschalen GPS-Ausfall lassen sich aus dem Beschluss nicht ableiten.
TransparenzQuellen und EinordnungRecherche vom 16. Oktober 2026
- BIPM: Resolution 5 der 28. CGPM – Kontinuierliche UTC ab 20. Mai 2027 und neue UT1–UTC-Grenze.
- BIPM: Resolution 4 von 2022 – Frühere Entscheidung zum langfristigen Ende der Schaltsekunde.
- PTB: Zeit und Frequenz – Zeitdarstellung, Atomuhren und Verbreitungswege.
- PTB: TAI und EAL – Hintergrund zur internationalen Atomzeit.
- ESA Navipedia: Time References in GNSS – Unterscheidung von Navigationssystemzeiten und UTC.
- EU: Sommerzeit-Mitteilung C/2026/1660 – Die separat geregelten europäischen Sommerzeitdaten für 2027.
- BIPM: Livestreams der CGPM 2026 – Offizielle Zuordnung des eingebundenen Mitschnitts zur Sitzung vom 15. Oktober 2026.



